Das Thema CO2-Lagerung ist ein Dauerbrenner. Die Bundesregierung bereitet im zweiten Anlauf gerade ein CCS-Gesetz vor, nachdem der erste Versuch am Widerstand Schleswig-Holsteins gescheitert war.
CCS steht für Carbon Capture and Storage – das Abscheiden und Verpressen von CO2. „Die Speicherung ist für Brandenburg eine Option“, sagte Carsten Enneper, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium. Nicht nur für Kohlekraftwerke, auch für die Zementindustrie in Rüdersdorf oder die Raffinerien in Schwedt ist die Technik interessant. Das Landesbergbauamt hat die Erkundung zweier Lagerstätten um Neutrebbin (Märkisch-Oderland) und bei Beeskow (Oder-Spree) erlaubt. Letztlich entschieden sei über den Einsatz der Technik aber nicht, sagte er.
Doch es gibt wirtschaftliche Einwände und Sicherheitsbedenken gegen unterirdische Kohlendioxid-Lager. Das Berliner Institut IZT hat Studien angestellt, wonach Kraftwerksbetreiber derzeit mindestens 33 Prozent mehr Energie einsetzen müssen, um zwischen 65 und 80 Prozent des Klimakillers aus ihren Abgasen zu filtern. Vor allem aber bezweifelt ITZ-Direktor Rolf Kreibich, dass sich Gas über Jahrtausende sicher bunkern lässt. „Kohlendioxid ist aggressiv.“ Es könnte Gestein angreifen, sich über weite Strecken im Untergrund ausbreiten.
Was dort unten passiert, macht auch Ernst Kern vom Wasserverband Nord aus Flensburg Sorgen. Das Gas wird mit hohem Druck in poröses Gestein gepresst, das mit salzhaltigem Wasser gefüllt ist. Diese Sole ist etwa hundert Mal salziger als Nordseewasser. „Wir haben Sorge, dass die Sole nach oben gedrückt wird und unser Wasser ungenießbar macht.“
Wie sich das Gas im Untergrund verhält ist auch ein Streitthema unter Fachleuten, wie eine Geowissenschaftlerin im Publikum deutlich machte. Doch den Vorwurf, dass Techniker unkalkulierbare Risiken eingehen, wollte Johannes Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften nicht stehen lassen. „Wir wissen eine Menge über CO2.“ Manche Erdgasvorkommen bestünden zur Hälfte aus CO2. Die Erdgastechnologie werde jedoch seit 60 Jahren sicher beherrscht.
Vertreter von Bürgerinitiativen, die aus der Altmark und dem Oderbruch nach Berlin gekommen waren, überzeugte das nicht. Sie zweifeln an der Sicherheit der Lagerung und am Vorgehen der Behörden.