"Bitte nicht anfassen." Mirjam König muss sich immer wieder zwischen die Kinder und die Ausstellungsstücke stellen. Denn Achmed, Sedra, Samira und Francisco aus der Berliner Willkommensklasse sind einfach zu neugierig. Sie möchten die Büsten, Spazierstöcke und ausgestopften Bären im Märkischen Museum nicht nur betrachten, sondern am liebsten befühlen. Die meisten lernen erst seit wenigen Monaten Deutsch. Ihrem Interesse an der Berliner Geschichte tut das keinen Abbruch. Eifrig folgen sie der Museumspädagogin durch die Räume mit alten Rüstungen, Stadtmodellen und Drehorgeln, die Walzermusik spielen.
Um alles zu erklären, benutzt Mirjam König einfache Worte und wird bisweilen zur Pantomimin. Dazu wird viel improvisiert. "Wollt ihr da raus?", fragt die 36-Jährige, nachdem die kleinen Besucher eine mehrere Jahrhunderte alte Tür entriegeln durften und sich gar nicht mehr sattsehen können an den alten, begrünten Mauern des Museumshofes mit dem schweren Adler auf dem Balkon. "Die Kinder sind in dem Alter noch offen für alles und lassen sich leicht für Themen begeistern", sagt die Museumsführerin.
Den Nachwuchs schon möglichst früh an Kultur heranzuführen, ist das Anliegen des Kinder-Kultur-Monats. Immer im Oktober bieten Museen, Theater, Ateliers, Konzerthallen und Galerien ein interaktives und kindgerechtes Programm mit Workshops, Führungen sowie Ausstellungen an. Vom großen Opernhaus bis zum kleinen Projektraum laden diesmal 57 Institutionen an fünf Wochenenden zu besonderen Programmen ein. Die Aktion soll auch sozial schwache sowie bildungsferne Familien ermuntern, Orte wie die Zitadelle Spandau, das Deutsche Historische Museum oder das Bauhaus-Archiv zu besuchen und hinter die Kulissen zu schauen.
Kinder können unter anderem Instrumente bauen, Urtiere malen, Ballett tanzen, Hebräisch lernen oder eine Radiosendung aufnehmen. Das erste Mal ist auch das Museum der Gegenwart im ehemaligen Hamburger Bahnhof dabei. Unter der Überschrift "Verliebt in Malerei" können Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren dort am 22. Oktober und am 30. Oktober unterschiedliche Maltechniken ausprobieren und einen eigenen Stil entwickeln. Für sie sind die Angebote kostenlos. "Begleitende Eltern müssen in manchen Einrichtungen Eintritt bezahlen oder gehen in der Zeit einfach Kaffee trinken", erklärt Kultur-Monat-Sprecherin Regine Wosnitza. Wie das Märkische Museum hat rund die Hälfe der Einrichtungen zur fünften Auflage auch nicht-sprachbasierte Angebote ausgearbeitet. Damit auch Flüchtlingskinder Kultur erleben und ihre Kreativität entfalten können. (Mit Adleraugen)
Für die Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich. Manche Workshops sind schon ausgebucht. Infos und Anmeldung unter www.kinderkulturmonat.de oder Telefon 030 51634859