Frankfurt(Oder) (MOZ) Die Berliner S-Bahn hat wegen Fahrermangels ihr Angebot erneut eingeschränkt. Auf einigen Linien fahren die Züge deshalb nur unregelmäßig. Das Unternehmen räumte gestern ein, dass sich die Personalsituation voraussichtlich erst im Frühjahr entspannen werde.
Derzeit fehlen der S-Bahn vor allem wegen Krankheit rund 50 Lokführer. "Wir brauchen 960, haben aber derzeit nur 910 Mitarbeiter zur Verfügung", erklärt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Die Konsequenz: Immer wieder fallen spontan Züge aus, Reisende müssen auf den Bahnsteigen ausharren. Auf einen Notfahrplan will die S-Bahn dennoch verzichten und weiter kurzfristig Linien einschränken, wenn sich Lücken auftun.
Gestern etwa pendelte die S47 nur zwischen Spindlersfeld und Schöneweide. Am Wochenende waren die S 25 nach Teltow und die S 8 nach Birkenwerder von Ausfällen betroffen. Informationen über die Einschränkungen gibt es für die Fahrgäste erst am jeweiligen Tag.
Der Berliner Fahrgastverband IGEB kritisiert diese Strategie. "Ein Fahrplan nach Krankenstand ist der falsche Weg", sagte Sprecher Jens Wieseke. Die Fahrgäste hätten auch in einer Krisensituation ein Anrecht auf Verlässlichkeit. Der Verband empfiehlt, vorübergehend die Taktfrequenz auf einigen Strecken grundsätzlich zu beschränken. So könnten Reisende ihre Fahrten besser planen.
Die Gründe für die neuen Engpässe sind nach Bahn-Angaben vielfältig. Auch neue Tarifverträge mit veränderten Dienstzeiten und mehr Urlaubstagen sowie aufwendiger außerplanmäßiger Wartungsbedarf würden derzeit die Besetzung des Schichtbetriebs erschweren. So schnell wie möglich sollen daher neue Lokführer eingestellt werden. Die ersten 13 Triebfahrzeugführer beenden laut Bahn im Februar ihre Ausbildung, im April sollen 27 weitere hinzukommen. Bis zum Sommer könnten dann insgesamt 70 neue Fahrer einsatzbereit sein.
Fahrgastverband und Verkehrsverbund machen hingegen eine verfehlte Personalpolitik als Grund für die Krise aus. Die Lokführer würden unter einer enormen Arbeitsbelastung leiden, etwa weil seit einigen Jahren auch die Zugabfertigung auf dem Bahnsteig zu ihren Aufgaben gehört. "Dieses ständige raus und wieder rein in den Zug schadet der Gesundheit", ist IGEB-Sprecher Wieseke überzeugt. VBB-Sprecherin Elke Krokowski kritisierte: "Die jetzigen Engpässe waren lange absehbar. Das Management hat viel zu spät reagiert." Auch sei es nicht nachvollziehbar, wieso im Großkonzern Bahn keine Ersatzfahrer gefunden werden konnten.
Zuversichtlich zeigten sich gestern S-Bahn und IGEB angesichts der aktuellen Kältewelle. Trockene Kälte belaste die Technik kaum, hieß es übereinstimmend. Ein Tempo-60-Notfahrplan wie im vergangenen Winter drohe derzeit nicht.
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Protestantische Salzburger und die katholische Kirche