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Matthias Deggeller 27.01.2013 19:01 Uhr

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Schlangestehen für Clooney - Hunderte wollen mitspielen

Potsdam (MOZ) Für den Dreh eines Weltkriegsfilmes von Hollywoodstar George Clooney suchte eine Agentur am Sonnabend in Potsdam-Babelsberg Komparsen. Unser Volontär Matthias Deggeller ging mit großen Erwartungen hin - und kam ernüchtert zurück.

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Der Reihe nach: Für den Film "The Monuments Men" wurden Männer und Frauen zwischen 18 und 50 Jahren gesucht.   2 Bilder

Der Reihe nach: Für den Film "The Monuments Men" wurden Männer und Frauen zwischen 18 und 50 Jahren gesucht.

© dpa

Ein Casting also! Da hatte mein Vater gleich Tipps für mich, als ich ihm von dieser besonderen Herausforderung im Volontärsleben erzählte: "Du musst deinen Namen nennen, wie groß du bist und ein paar Sätze passend zum Film sagen." Dazu muss ich sagen, dass mein Vater noch nie bei einem Casting war. Aber es erschien mir schlüssig. Nur: Letztendlich musste ich gar nichts sagen. Ich hätte mir auch den Mund zukleben können, es hätte meine Chancen nicht gemindert.

Hollywoodstar George Clooney lud also zum großen Komparsencasting ins Filmstudio Babelsberg. Vor allem "eher schlanke" Männer wurden gesucht, weil "The Monuments Men" im Zweiten Weltkrieg spielt. Weder gefärbte Haare noch Tätowierungen und am besten militärische Erfahrung. Ersteres traf für mich zu, Letzteres nicht. Natürlich stand George Clooney nicht persönlich am Einlass. Ihm, der sich gerne am mediterranen Comer See in Italien aufhält, wäre es auch sicher zu kalt gewesen. Damit hatte er eine Agentur beauftragt, die auch schon für die Komparsenauswahl von Filmen wie "Inglourious Basterds" und "Anonymus" verantwortlich war. Ein zackiges "Jawohl, Herr Oberst!" und ein abgehacktes "Wir sind bisher nicht durchgestoßen, Herr Major!" hatte ich mir auch zurechtgelegt und vor dem Spiegel geübt. Also auf nach Potsdam.

Angekommen an der nahen S-Bahnstation zeigte sich, dass der Weg zum Ruhm ein eisiger ist, denn nicht alle Wege waren gestreut. Aber davon lässt man sich als hoffnungsvoller Jungschauspieler in spe nicht abhalten. Meine Idee, direkt zum Start um 11 Uhr zu kommen, um dem größten Andrang zu entgehen, erwies sich als wenig pfiffig, da anscheinend sehr viele Menschen so dachten.

Vor Ort die erste Ernüchterung: Die Schlange lief nicht in eine glitzernde Villa hinein, sondern in ein höchst unspektakuläres weißes Behelfszelt. Davor ein sichtlich genervter Türsteher, der alle naselang einen Schwall der Wartenden hineinließ. Immerhin spielten die Schuhe keine Rolle.

Apropos Kleidung: Ich hatte mich mit feldgrauer Stoffhose, matschbraunem Hemd und Sechs-Tage-Bart bewusst zeittypisch gekleidet. Um mich herum eher alltäglich gekleidete Männer, unterbrochen von interessanten Ausnahmen. Ein Mitt-Zwanziger hätte mit seinen überdimensionalen Hosenträgern und den streng gescheitelten Haaren gleich vor Ort bleiben können. Ebenso ein wie frisch von der Etappe kommender Bundeswehrsoldat im Kampfanzug und Wanderrucksack. "Weiter, weiter!", rief der Türsteher und ließ mich schließlich hinein.

Drinnen dann die nächste Desillusion. Statt einem fröhlichen Hallo bekam ich wortlos einen nummerierten Bogen nebst Kugelschreiber in die Hand gedrückt. Auszufüllen waren neben Name, Adresse und Aussehen besondere Eigenschaften "wie zum Beispiel Lkw-Führerschein, Kampfkünste und Waffenausbildung". Ich ging kurz in mich, fand aber nichts. Sichere Rechtschreibung und sprachliche Ausdrucksfähigkeit, die mir bei der Zeitungsbewerbung weiterhalfen, waren hier wohl wenig hilfreich. Um nicht ganz blöd dazustehen, kritzelte ich als passionierter Jogger "Laufen" auf den Zettel. Den Sinn dahinter verstand ich selbst nicht, braucht man doch als Komparse in allererste Linie Sitzfleisch. Aber besser als nichts.

"Wer alles ausgefüllt hat, geht rüber in die Halle zum Foto", rief ein Mitarbeiter. "Mit Zettel, aber ohne Kugelschreiber." Er entwand einem Komparsenanwärter mit sicherem Griff den Kuli. Auf in die Foto-Halle also, vor der zwei weitere Türsteher jeden Bewerber musterten und den mitgebrachten Zettel mit einem "A" oder "B" markierten - oder gar nicht wie bei mir. Was das zu bedeuten habe, wollten sie nicht herausrücken: "Not important", sagte einer und schob mich und die Umstehenden sanft, aber bestimmt in die Halle.

Konnte ich hier meine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, meine Sätze zum Besten geben? Mitnichten, wie ich schnell entdeckte. Oder ja, wenn man das Hochhalten seines Bogens auf Brusthöhe und das Schauen in die Kamera als Leistung versteht. Denn das war das Einzige, was mich in der Produktionshalle erwartete: anstellen, warten, geknipst werden, den Zettel in einen Korb werfen, fertig. Nicht einmal das obligatorische "Wir melden uns bei Ihnen" (oder auch nicht). "Danke, das war's. Tschüss." Ob ich es geschafft habe, erfahre ich in den nächsten Wochen. Anfang März starten die Dreharbeiten.

Agenturen suchen laufend Komparsen für Filme und TV-Drehs, in Brandenburg/Berlin zum Beispiel "wanted" und "Filmgesichter", bei denen man sich registrieren muss; Angebote findet man auch im Internet (www.komparse.de). Die Anforderungen sind unterschiedlich und richten sich nach dem Thema der Produktion, prinzipiell kann jeder Komparse werden. Bezahlt wird in der Regel pro Drehtag (50 bis 80 Euro), Festanstellungen sind unüblich.

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