Mühlberg (DPA) Viele außergewöhnliche Frauen waren ihrer Zeit voraus, doch kaum jemand kennt sie noch - das Projekt "Frauenorte" will die öffentliche Wahrnehmung ändern: An diesem Mittwoch wird in Mühlberg (Elbe-Elster) bereits die 30. Gedenktafel enthüllt. Sie ist Elise Fontane (1838-1923), der 19 Jahre jüngeren Schwester des großen Dichterfürsten, gewidmet, sagte Projektleiterin Sabina Scheuerer vom Frauenpolitischen Rat. "Viel weiß man heute über sie nicht mehr." Per Zufall sei Scheuerer bei Recherchen auf Elise gestoßen. "Das war so spannend, dass Tafel Nummer 30 ihr gehört."
"Über Denkmäler im Land werden oftmals nur Männer geehrt. Mit den Gedenktafel wollen wir auch das Schaffen von großen, oft unbekannten Frauen aus der Vergessenheit holen", erklärte Scheuerer die Projektidee. Das schaffe man, indem "die so gekennzeichneten Frauenorte in touristische Konzepte integriert werden". Dafür habe sie Partner an den Schilderstandorten zum Beispiel in Rheinsberg, Schwedt, Bad Belzig und Finsterwalde gewonnen, die dort etwa interessante Führungen organisierten.
Die Projektidee importierte Scheuerer 2010 aus Sachsen-Anhalt. Inzwischen werde es in Brandenburg sehr gut angenommen, berichtete sie. Viele Ehrenamtliche würde sich für die "Frauenorte" im Land engagieren. Noch bis zum Herbst 2014 komme finanzielle Unterstützung vom Land. "Ich würde mir wünschen, dass es bis dahin insgesamt 50 märkische Frauenorte in Brandenburg gibt."
Tafel Nummer 30 sei jedenfalls ein Glücksgriff, denn hinter einem großen Dichter steckte eine Schwester mit messerscharfem Verstand. Per Zufall war Scheuerer bei Recherchen auf Elise Fontane gestoßen. Sie war 1838 in Mühlberg geboren worden. Theodor Fontane, der zugleich ihr Pate war, schätzte und nutzte Elises Begabungen und nutzte diese für sich. Er setzte sie bei der Informationssammlung für seine "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" ein, indem sie in seinem Auftrag vor Ort recherchierte und detaillierte Beschreibungen lieferte.
Auch die Fantasie des Literatur-Nobelpreisträgers Paul Heyse hat Elise mit ihren Geschichten beflügelt. Die Idee zu seinem Buch "Der Roman der Stiftsdame" geht auf einen Besuch mit Theodor Fontane um 1864 in Neuruppin zurück. Elise erzählte dem großen Schriftsteller die Geschichte einer Frau und führte ihn an historische Orte.
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