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Staatsschutz überprüft Vorfälle beim Pokalspiel Sachsenhausen gegen Babelsberg

Plakat sorgt für Eklat

Fans von Sachsenhausen mit einem Transparent "Gas geben", TuS 1896 Sachsenhausen - SV Babelsberg 03.
Fans von Sachsenhausen mit einem Transparent "Gas geben", TuS 1896 Sachsenhausen - SV Babelsberg 03. © Foto: Jan Kuppert
Steffen Kretschmer / 10.05.2013, 20:49 Uhr
Sachsenhausen (MZV) Auch drei Tage nach dem Einzug in das Halbfinale des Fußball-Landespokals (1:0 gegen Babelsberg) steht der gastgebende TuS 1896 im Fokus. Ein von offenbar rechtsradikalen Zuschauern ausgerolltes Banner mit der Aufschrift "Gas geben - Sachsenhausen" lässt den Pokalerfolg zur Nebensache werden.

Als "totale Katastrophe" bezeichnet TuS-Manager Fred Lange den Vorfall. "Eigentlich sollte doch unser sportlicher Erfolg im Vordergrund stehen. Jetzt macht uns dieser Nazi-Mist alles kaputt", sagt der Manager des Sechstligisten. "Wir sind kein rechtsradikaler Verein. Das waren auch keine Leute von uns. Ich habe gehört, dass es Berliner waren", ergänzt er.

Beim Stand von 0:0 wurde das Plakat in der zweiten Halbzeit hinter dem Babelsberger Tor ausgerollt. Anhänger der Gäste fühlten sich provoziert und machten sich auf den Weg in Richtung Banner. Die anwesenden Polizisten schritten daraufhin ein, um ein Aufeinandertreffen beider Gruppierungen zu verhindern. "Die Beamten haben eine Mauer gebildet, sodass niemand hindurch kommen konnte", sagt Dörte Röhrs, Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord. Wenige Minuten später wurde das Transparent wieder entfernt.

Ob jemand für das Aufhängen des Plakates zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist fraglich. Das Problem: "Gas geben" sei eine Redewendung aus dem normalen Sprachgebrauch, verdeutlicht Röhrs. "Nur in Bezug auf Sachsenhausen, wo es ab 1936 ein Konzentrationslager gab, ist das sehr bedenklich und zweideutig. Es ist jedoch schwierig, jemandem einen politischen Hintergrund nachzuweisen." Dennoch beschäftigt sich das Dezernat für Staatsschutz mit den Ereignissen. Zudem werde geprüft, ob es eine strafrechtliche Relevanz gibt, heißt es von der Pressestelle.

Insgesamt waren 50 Beamte sowie 30 Sachsenhausener Ordner bei der Partie im Einsatz. Ein sogenannter Beweissicherungstrupp von der Polizei zeichnete das Geschehen abseits des Spielfelds zusätzlich mit Videokameras auf. Das sei ein ganz normaler Vorgang und werde auch bei Demonstrationen und anderen öffentlichen Großveranstaltungen praktiziert, sagt Röhrs. Auf diese Weise sei es möglich, alles genau zu analysieren.

Vonseiten des Drittligisten SV Babelsberg03 war am Freitag niemand bereit, zu dem Vorfall von Mittwochabend Stellung zu nehmen.

Dass Rechtsextreme Fußballstadien als Bühne nutzen, ist kein Einzelfall. Neonazis gibt es in der deutschen Fanszene schon lange. Jüngst hat Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in einem offenen Brief an alle 26 000 Fußballvereine vor der Gefahr von Rechtsaußen gewarnt. "Wir alle wissen, dass rechte Gruppierungen auch den Fußball missbrauchen, um in anonymen Massen und juristischen Grauzonen ihre populistischen Parolen zu verbreiten", schrieb Niersbach. "Und wir alle sind aufgerufen, etwas dagegen zu tun."

Der Hannoveraner Sportsoziologe Gunter A. Pilz meint, dass die Gefahr immer vorhanden sein wird. "Wir müssen wachsam bleiben. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Vereine, die sich klar positionieren, erheblich weniger Probleme bekommen als andere", sagt er im Gespräch mit dem Internetportal DFB.de.

Pilz beschäftigt sich mit Rechtsextremismus und Diskriminierung im Sport schon ein Forscherleben lang. 2009 fasste er wesentliche Ergebnisse in seiner Studie "Rechtsextremismus und Sport" zusammen. Niersbach hatte die Vereine aufgefordert, Respekt, Fairness und Toleranz in den Satzungen festzuschreiben. "Eine gute Idee", findet Pilz. Wichtig sei auch, dass die Vereinssatzung gelebt werde. (Mit Adleraugen)

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Bianka 12.05.2013 - 15:32:56

Stimmt genau

Richtig gesehen, also auf dem Plakat steht das nicht, sieht aus wie an dem Tornetz befestigt.... o-o Na das wär ja ein Ding, wenn das ne Collage ist...

Martin Pirch 12.05.2013 - 14:11:49

Photoshopping

An dem Foto stimmt etwas nicht. Die Buchstaben "hängen im Tornetz". Jedenfalls folgen sie nicht dem Faltenwurf von dem Plakat. Außerdem ist das Tornetz mit dem Fader nachträglich durch die Buchstaben geblendet worden. Gibt es auch noch das Original Foto und warum verändert man es, war das Original so schlecht zu lesen ... stand da was anderes drauf ?

Frank 11.05.2013 - 15:06:19

LESER

wenn Du mehr weißt, als die MOZ oder die Ermittler, kannst Du Dein geheimes Insider-Wissen dort gern anbringen. Ich habe hier jedenfalls nicht gelesen, dass die Übeltäter ihre NPD-Mitgliedsausweise hochgehalten haben. Ihr Antifanten müsst die Bürger für sowas von dämlich halten, dass sie Eure Inszenierungen nicht kennt bzw. durchschaut. Gerade in diesem Artikel bedeutet die Nicht-Nennung bestimmter Sachverhalte, dass hier etwas faul ist. Mittlerweile muss man Nachrichten mit derselben Sorgfalt und Vorsicht lesen und interpretieren, wie Hotelbeschreibungen in Reisebüros. Wichtig ist, was zwischen den Zeile steht und was nicht angesprochen wird.

Leser 11.05.2013 - 13:12:13

@Frank

Für Dich ist dann auch die NPD nur ein Gebilde von Prenzelbergern, die die Prenzlberger-Zeit von 33-45 verehren. Aber frei nach Pipi Langstrumpf: "Ich mach' mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt ...."

Frank 11.05.2013 - 11:35:32

Es waren also "Berliner"

wenn die Personalien festgestellt wurden, könnten die Ermittler mühelos feststellen, ob es echte Braune waren, oder ob die Berliner Antifa ihrem Affen auf diese Weise Zucker geben möchte. Nach dem Motto. Prenzelberg lässt die Puppen tanzen. Dass in dem Zeitungsartikel nichts über die Täter verlautbart wird, macht misstrauisch.

Bianka 11.05.2013 - 09:50:40

@Andreas M

Auch wenn aus jedem Auto ein Fähnchen flatterte mit der Aufschrift: *Ich geb Gas*, würde niemand einen Bezug zu Sachsenhausen oder Nazis herstellen. Der Vergleich hinkt ganz kindisch.....

Andreas M. 11.05.2013 - 08:05:19

40 Millionen Nazis ?

Da wird einen ja übel beim lesen. Sind jetzt alle ca. 40 Millionen Autofahrer in Deutschland auch rechtsradikal ? Die geben auch fast jeden Tag Gas. Auch die Erdgasheizer stehen jetzt unter Verdacht. Armes Deutschland.

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