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Denkmalpfleger wollen retten, was zu retten ist

In Not: Dem "Alten Kloster" in Niemegk droht der Abriss.
In Not: Dem "Alten Kloster" in Niemegk droht der Abriss. © Foto: Landesamt
Mathias Hausding / 29.01.2014, 19:05 Uhr
Potsdam (MOZ) Viel Licht und viel Schatten offenbarte am Mittwoch die Bilanzpressekonferenz des Landesamts für Denkmalpflege. Während zum Beispiel die Rennbahn in Hoppegarten mit Millionensummen restauriert wird, ist eines der ältesten Häuser Brandenburgs vom Abriss bedroht.

Mehr als 700 Jahre ist das sogenannte Alte Kloster von Niemegk im Kreis Potsdam-Mittelmark alt. Komplett aus Feldsteinen errichtet, ist es eines der ältesten Häuser dieser Art in Brandenburg. Rund 65 000 Euro wären nach Einschätzung des Landeskonservators Thomas Drachenberg nötig, um zumindest einen einsturzgefährdeten Giebel zu sichern. Doch in der Kommune herrscht Haushaltsnotstand. Außerdem steht das Haus nicht nur leer, es hat nicht einmal einen Eigentümer. Wer soll also investieren, die mit Risiken verbundenen Besitzrechte übernehmen?

Bislang gibt es keine Lösung, es droht der Totalverlust. Und Niemegk ist kein Einzelfall, um das Jagdschloss in Fürstenwalde (Oder-Spree) oder das mittelalterliche Brauhaus des Klosters Himmelpfort (Oberhavel) steht es nicht besser. Letzteres sei ein Gebäude "aus der Liga Kloster Chorin", unterstreicht Drachenberg. Erschwerend komme hier dazu, dass sich die Denkmalpfleger im "Dissens", wie es offiziell heißt, mit dem Landkreis befinden, der aus Kostengründen für einen Abriss plädiert.

Drachenberg prangert an, dass Brandenburg das einzige Flächenland ohne einen Fördertopf zur Substanzerhaltung gefährdeter Denkmale sei. Adressat für diese Kritik sei nicht das Kulturministerium, das sich redlich bemühe, sondern das Parlament, von dem er sich mehr Impulse für den Denkmalschutz erhoffe. Der Landeskonservator betont: "Auch wenn man erstmal keine Nutzung für sie hat, müssen wertvolle Gebäude zumindest gesichert werden, bevor sie gar nicht mehr zu retten sind." Drachenberg verweist beispielhaft auf die Schlossruine von Dahme (Dahme-Spreewald), die vor dem Verlust bewahrt wurde und nun nach und nach von den Bürgern entdeckt und immer häufiger für Kulturveranstaltungen genutzt wird.

Auch im vergangenen Jahr sei indes vieles vor dem Untergang bewahrt worden. Buchstäblich treffe das auf einen "Schwimmdampfbagger mit Rammvorrichtung" aus Brandenburg/Havel zu. Einhundert Jahre sei das weit und breit einmalige Technik-Denkmal alt. Es diente einst der Unterhaltung und dem Ausbau von Wasserstraßen, bis der Kahn 1990 ausgemustert wurde und seitdem im historischen Hafen der Stadt Brandenburg vor sich hin rostete. Nun wird er generalüberholt. Ein gemeinsames Projekt von Förderverein und staatlicher Denkmalförderung. Eine fünfstellige Summe floss demnach aus dem Etat des Bundeskulturbeauftragten.

Auch die Galopprennbahn in Hoppegarten profitiert als herausragendes Bauwerk von Bundesgeldern für den Denkmalschutz. In dem Fall übernahm das Land eine Kofinanzierung. So flossen allein 2013 je 300 000 Euro von Bund, Land und Bahneigentümer in den Erhalt von zwei alten, derzeit kaum genutzten Tribünen. Außerdem gehört zum gemeinsam mit dem Eigentümer ausgearbeiteten Konzept der Abriss von nicht schützenswerten Zweckbauten aus DDR-Zeiten. Drachenberg geht davon aus, dass auch in den nächsten Jahren Bundesgelder nach Hoppegarten fließen.

Als neuen Service für die Bürger bieten die Denkmalpfleger ab sofort eine Online-Datenbank mit Fotos und Texten zu den rund 13 000 Denkmalen im Land an.

Link zur Denkmal-Datenbank: http://tinyurl.com/k972brx

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Frankfurter 30.01.2014 - 19:30:56

Denkmäler bekommen nichts mehr

In diesem Beitrag wird klar dass jemand der 300000€ aufbringen kann 600000€ vom Bund und Land bekommt. Jedoch ein normaler Einzeldenkmal Besitzer bekommt nichts. Deutschland wie wir es kennen.

D. Wolf 30.01.2014 - 07:54:45

D. Wolf

Es ist traurig, wenn solche Gebäude verschwinden, weil die Gemeinheit nicht willens ist, das Geld aufzubringen. Anderseits, was soll die Vielzahl an Gebäuden zu erhalten, aber aktuelle Wohnungen, wo Menschen heute leben wollen und müssen, immer mehr verfallen. Prioritäten währen von Nöten, um festzustellen, was die Bevölkerung will. Abriss, dafür die Zugunft bauen wäre eine Alternative. Nach dem wirtschaftlichen Sinn zu fragen ist ja nicht opportun.

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