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Westpommerns Vizemarschall Jaroslaw Rzepa sprach sich im Amtsausschuss eindringlich für Umsetzung aus

Polen bekräftigen Brücken-Projekt

Fürsprecher: Polens Vizemarschall Jaroslaw Rzepa sprach sich im Amtsausschuss Barnim-Oderbruch für das deutsch-polnische Projekt "Europabrücke Neurüdnitz-Siekieri" aus.
Fürsprecher: Polens Vizemarschall Jaroslaw Rzepa sprach sich im Amtsausschuss Barnim-Oderbruch für das deutsch-polnische Projekt "Europabrücke Neurüdnitz-Siekieri" aus. © Foto: MOZ
Mandy Timm / 07.04.2016, 06:35 Uhr
Wriezen (MOZ) Es war eine der hochkarätig besetzten Amtsausschusssitzungen von Barnim-Oderbruch seit langem: Neben dem polnischen Vizemarschall Westpommerns waren am Dienstag auch Cedynias Bürgermeisterin und die Leiterin der Landschaftsparkverwaltung anwesend. Ihr Anliegen: das Projekt Europabrücke

Da knirschte nichts am Dienstagabend. Das Gebäude der Amtsverwaltung Barnim-Oderbruch schien unter einer Glocke aus Harmonie zu liegen. So viel Einigkeit herrscht selten, wenn der Amtsausschuss zusammenfindet. Die Sitzung war unterdessen in mancherlei Hinsicht besonders. Zum einen waren alle zwölf Mitglieder anwesend. Zum anderen saßen etliche Gäste mit am Tisch. Unter der hochkarätig besetzten Delegation aus dem polnischen Nachbarland war unter anderem der Vizemarschall der Wojewodschaft Westpommern, Jaroslaw Rzepa, Cedynias Bürgermeisterin Gabriela Kotowicz sowie die Leiterin der Landschaftsverwaltung Dorota Janicka. Ihr Anliegen: die touristische Nutzung der Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki.

Das Brücken-Projekt stand erneut auf der Tagesordnung. Es galt einen Beschluss zu fassen, mit dem Amtsdirektor Karsten Birkholz beauftragt wird, Fördermittel zu beantragen. So viel vorweg: Der Beschluss fiel einstimmig zugunsten des Vorhabens aus. Zunächst aber machten die polnischen Nachbarn eindringlich und mit vollster Überzeugung deutlich, wie sehr sie das Vorhaben unterstützen und wollen.

Vizemarschall Rzepa gab als erstes einen Überblick über den Stand der Dinge aus polnischer Sicht. Er sagte, er sei überzeugt, dass das Projekt gelingen und die Brücke zur touristischen Nutzung in Betrieb gehen werde. "Wir wissen aber auch", sagte er weiter, "dass die Zeit läuft. Wir möchten deshalb unseren Beitrag leisten, Anträge schnell stellen zu können und das Vorhaben bald in Angriff zu nehmen." Als Förderbasis nannte er die Interreg-Mittel. Sämtliche auf polnischer Seite beteiligten Gemeinden hätten sich bereits zusammengetan und das Vorhaben befürwortet. "Nicht zuletzt aus finanzieller Sicht ist das Projekt mit 1,5 Millionen Euro beachtlich." Der polnische Teil der Brücke gehöre der dortigen Bahn. Die Bahnstrecke solle der Gemeinde Cedynia übergeben werden, erklärte Rzepa weiter. Dieser Schritt sei hinsichtlich der Nachhaltigkeit wichtig. Cedynia werde außerdem Vorhabenträger und für die Bauarbeiten zuständig. Die Rolle des Bauherren übernehme unterdessen die Wojewodschaft Westpommern. Nach der Baumaßnahmen werde das Werk der Gemeinde Cedynia übergeben. "Aus unserer Sicht", machte Rzepa mehrfach deutlich, "besteht keine Gefahr, dass wir das Ziel nicht erreichen." Nun sei der deutsche Partner gefragt. Noch offene Fragen sollten schnellstens geklärt werden, da der Zeitraum der Planung nur auf vier Monate begrenzt sei, so Vizemarschall Rzepa.

Cedynias Bürgermeisterin Gabriela Kotowicz erinnerte an die lange Zeit, die das Vorhaben Europabrücke bereits zwischen den beiden Ländern besprochen werde. "Seit zehn Jahren setzten wir uns dafür ein", sagte sie. "Und: Wir waren noch nie so nah am Ziel unserer Brückenträume." Diese sei ein offenes Fenster, das die Länder mehr verbinde, und eine wichtige Etappe beim polnischen Radwegebau "Pommern", deren Strecke insgesamt 1800 Kilometer betragen würde. "Ich bin sehr überzeugt", sagte Gabriela Kotowicz, "dass wir das gemeinsam zu Ende bringen werden und in ein paar Jahren auf ein erfolgreiches Vorhaben blicken."

Auch Barnim-Oderbruchs Amtsdirektor Karsten Birkholz zeigte sich zuversichtlich, was die Umsetzung des touristischen Anziehungspunktes in seinem Bereich betrifft. Er nannte die Aussicht auf die Herrichtung zweier Brücken eine einmalige Chance. Hielt aber nicht mit dem "Fingerzeig des Landkreises Märkisch-Oderland" hinter dem Berg, der mit einer Verfügung zuletzt die Nutzung der Brücke für Draisinenfahrten aus naturschutzrechtlichen Gründen untersagt hatte. "Die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung ist im März angelaufen", so Birkholz. Die Tatsache werde die Aussicht auf eine Fördermittelzusage erhöhen. Das Ergebnis des Gutachtens werde in das Gesamtvorhaben einfließen. Amtsdirektor Birkholz sagte: "Das ist ein gutes Signal, das wir dem Vizemarschall für das gemeinsame Projekt mitgeben können."

Leserforum

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Hans-Peter Küllmer 07.04.2016 - 12:48:20

Nicht nur Schimpfen

@Benno Koch: Ich finde es auch nicht immer schön, wenn die Redakteure manch etwas durcheinander werfen. Aber ich wünschte mir auch, dass Sie nicht nur Kritik äußern, sondern auch die, die etwas bewegen wollen - in Brandenburg – mit Ihre Erfahrungen unterstützen. Das wäre toll.

Benno Koch 07.04.2016 - 10:58:28

Verstehendes Schreiben: Kommt nun der Radweg in Polen und auf der Brücke?

"Die Bahnstrecke solle der Gemeinde Cedynia übergeben werden, erklärte Rzepa weiter. Dieser Schritt sei hinsichtlich der Nachhaltigkeit wichtig ..." Weiß die Autorin wirklich worüber sie schreibt? Da gibt es also eine Bahnbrücke über die Oder. In der Vergangenheit nannte man die schlicht und einprägsam Oderbrücke Bienenwerder. Europabrücke ist zwar auch schön, aber davon gibt es viele und hier in der tiefsten Provinz wäre doch ein provinzieller Name hilfreicher. Und dann gibt es da noch die Wriezener Bahn. Eine ehemalige Bahnstrecke von Berlin über Wriezen und die Oderbrücke Bienenwerder nach Mohrin (Moryn) und Königsberg (Chojna). Zur Erinnerung: Ein ehemaliger Brandenburger Bauminister aus Wriezen hatte die Wriezener Bahn für eine teure und heute kaum genutzte Ortsumgehungsstraße in Wriezen geopfert. Brücken für die kreuzungsfreie Straße waren o.k., eine Brücke für die Bahn aber leider irgendwie zu teuer. Und so wurden die Bahngleise abgesägt und die Bahnlinie bis auf den Stummel von Berlin nach Werneuchen stillgelegt. Heute wäre diese direkte Bahnlinie nicht nur die schnellste Verbindung von Berlin nach Wriezen, sondern auch zum Mohriner See, in die lebendige Stadt Königsberg und natürlich auch nach Stettin. In Moryn wäre man zum Beispiel aus Berlin in einer Bahnstunde. Heute ist der Ort mit der Bahn unerreichbar. Inzwischen wurde der einstige Bahndamm von Wriezen nach Bienenwerder als Radweg asphaltiert. Eigentlich schön, aber auch schnurgerade – und mit einseitiger Belästigung der Fahrradtouristen durch Dutzende Umlaufsperren im Niemandsland. Und genau die schnurgerade Strecke ohne Bäume oder Sehenswürdigkeiten wird von Fahrradtouristen mehrheitlich als langweilig bezeichnet. Auf polnischer Seite wäre der Bahndamm als asphaltierter Radweg nicht nur hilfreich, sondern auch traumhaft schön. Mit der sanften Steigung einer Bahnstrecke von hier maximal ein Prozent würde es nicht nur wesentlich leichter durch die bis zu 150 Meter hohen Hügel gehen. Die kurvenreiche und tief eingeschnittene Bahntrasse wäre wohl auch der schönste Bahndamm-Radweg in der Hauptstadtregion. Davon ist aber auf polnischer Seite nichts erkennbar. Und was soll nun mit der Brücke Bienenwerder passieren? Die einzig wirklich spannende, aber unbeantwortete Frage des Artikels. Der angedachte Draisinenverkehr ist ja nun bereits mehrfach gescheitert. Aus welchen Gründen auch immer. Für den Fahrradtourismus wäre er eine teuer subventionierte Wegelagerei – falls man nicht einfach rüberradeln, sondern eben einer privaten Draisinenbetreiber bezahlen muss. Also nicht nur teuer, sondern auch vermutlich in zwei Drittel des Jahres unmöglich. Da anzunehmen ist, dass eine Draisine nicht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und eben auch nicht 365 Tage im Jahr verkehrt. Also bitte mit den Fördergeldern einen ganz normalen Radweg auf einer schönen Brücke bauen.

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