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Die Firma sih Sicherungsanlagen baut Vorrichtungen für den Hochsicherheitsbereich und möchte dem Fachkräftemangel mit eigenem Nachwuchs gegensteuern

Wenn Hightech und Mechanik verschmelzen

Von den Erfahrenen lernen: Christian Schand (r.) schaut dem Schweißermeister über die Schulter. Hier entsteht aus hochwertigem Manganstahl ein Gitterfenster für eine Justizvollzugsanstalt.
Von den Erfahrenen lernen: Christian Schand (r.) schaut dem Schweißermeister über die Schulter. Hier entsteht aus hochwertigem Manganstahl ein Gitterfenster für eine Justizvollzugsanstalt. © Foto: MOZ/Thomas Sabin
Thomas Sabin / 11.11.2017, 11:56 Uhr
Rietz-Neuendorf (MOZ) Sie sind gefragt wie nie - Brandenburgs Handwerker. Ihre Berufe vereinen klassische Fertigkeiten mit moderner Technik. Wir zeigen, was junge Leute im Handwerk werden können und stellen Betriebe vor, die ausbilden. Heute: Die Firma sih Sicherungsanlagen in Birkholz.

Der Bedarf an Sicherheit wächst, ist sich Hartmut Büttner sicher. Für den Geschäftsführer der Firma sih Sicherungsanlagen aus Birkholz bei Rietz-Neuendorf (Oder-Spree) wird es dennoch immer schwieriger, neue Auszubildende zu finden. Das was in seiner Firma gemacht wird, "gibt es in keiner anderen Ausbildung. Das ist sehr komplex und interessant", sagt er.

Mehrere Hallen stehen auf dem Firmengelände. Auf dem Hof liegen riesige stählerne Gebilde. Neben ihnen stehen Prototypen von meterhohen Zäunen mit Stacheldraht. Am Fuße der Präsentationsstücke findet man kleine Kästen mit schwarzen Kabeln. Technik und Mechanik sind hier vereint worden. "Wir arbeiten für den Hochsicherheitsbereich. Unsere Produkte sind eine Verbindung des rein Mechanischen mit dem Elektronischen. Und darin unterscheiden sich auch unsere beiden Arbeitsbereiche", erklärt Büttner.

In seiner Firma werden Elektrotechniker und Metallbauer ausgebildet. Seit 20 Jahren schon. 1990 wurde die Firma gegründet und umfasst heute 76 Mitarbeiter. "Ganze 14 davon", erklärt der Chef stolz, "sind Lehrlinge. Ich denke, sie finden im Landkreis Oder-Spree wenige Firmen, die so eine Quote haben." Doch die Tendenz geht bergab. Der Diplom-Ingenieur hat schon vor Jahren erkannt, dass es notwendig ist, für den eigenen beruflichen Nachwuchs selbst zu sorgen. Auf den Ausbildungsmessen in Fürstenwalde und Beeskow wird er vor Ort sein und wieder um Lehrlinge werben. Bisher habe er immer Erfolg gehabt. "Vor zehn Jahren konnte ich mich vor Bewerbern kaum retten, heute sieht das anders aus." Mit dem anhaltenden Fachkräftemangel steige auch in seinem Betrieb der Bedarf an Auszubildenden stetig an.

In einer stillen Halle auf dem Gelände arbeitet Lucas Begbie. Der 18-Jährige befindet sich in seinem dritten Lehrjahr. Der angehende Mechatroniker werkelt gerade an einem Schaltkreis für eine Sicherheitstür. Ein kleiner grauer Kasten, verwirrend für einen Laien. "Hier werden dann einzelne Komponenten installiert", erklärt er das komplexe Gebilde, das es ein Stockwerk höher als 19-Zoll-Ungetüm gibt. Kabel und Schaltkreise in einem riesigen Schrank, sind Teil der Arbeit von Lucas Begbie. An einem Miniaturzaun zeigt er, wie zum Beispiel die Sicherheitssensoren funktionieren. "Wenn sich die Lage des Zauns verändert, löst der Sensor in der Zentrale Alarm aus", zeigt er mit dem Finger auf den Bildschirm, wo sofort eine rote Lampe aufblinkt. "Eine Kamera würde jetzt zum Zaun schwenken. Die Sensoren sind sehr sensibel, kleinste Erschütterungen werden wahrgenommen. Körperschall, Neigung und Lageveränderung - alles wird registriert."

In der Halle nebenan geht es schon etwas lauter zur Sache. Es riecht erdig, es knistert und klappert. Hier wird Stahl bearbeitet. Überall stapeln sich die Teile der massive Zäune und Tore, die später bei den Hochsicherheitsbereichen, wie zum Beispiel bei Industrieunternehmen, Zwischenlagerstätten oder Militärobjekten aufgestellt werden. Immer wieder schwebt blau leuchtender Rauch auf. Hier wird geschweißt, hier wird montiert. Und Christian Schand wird hier zum Metallbauer Konstruktionstechnik ausgebildet. Theorieunterricht hat er in Fürstenwalde im Oberstufenzentrum Palmnicken. Der 19-Jährige befindet sich ebenfalls im dritten Jahr. Schweißen lernen ist Teil seiner Lehre. Die Vorrichtungen die in der Halle entstehen, werden dort installiert, "wo keiner mehr raus oder keiner mehr rein soll", sagt Hartmut Büttner.

Von seinen zukünftigen Lehrlingen verlange er nicht immer die perfekten Noten. Er weiß, dass sich die meisten mit schlechten Zeugnissen nicht trauen, sich zu bewerben. Seine Einstellung: "Das Zeugnis ist nicht alles." Er wolle sich die Bewerber angucken, sich selbst ein Bild machen, um bewerten zu können. "Würde es nur nach Noten gehen, würde ich mit vielen gar nicht erst reden. Ich will aber herausfinden, ob sie bereit sind, sich zu entwickeln." In der Firma wolle er eigene Fachkräfte ausbilden und dann anstellen. Die personelle Besetzung möchte er in Zukunft halten. "Expandieren ohne Fachkräfte, das geht nicht", macht er das Dilemma deutlich. "Viele entwickeln sich erst hier in ihrer Ausbildung", macht Büttner jungen Leuten Mut.

Heute von 9 bis 14 Uhr: Die 1. Ausbildungsmesse mit 16 Austellern Spreepark Beeskow

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