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Feuerwehrleute kreisweit derzeit im Dauer-Stress

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DSTEINKRAUSN / 05.08.2008, 08:06 Uhr
Seelow () In den letzten Wochen verging kaum ein Tag, an dem im Kreis nicht Feuerwehren zu Bränden ausrücken mussten. Die Statistik registrierte die bisher höchsten Einsatzzahlen seit der Wende. Grund genug für den Landkreis, den Feuerwehrleuten und ihren Angehörigen, aber auch vielen Arbeitgebern Dank zu sagen.

Kreisbrandmeister Willi Rossow ist froh, dass es bei der Fülle der Einsätze "nur" zwei verletzte Feuerwehrleute gab. Denn bei 35 Grad im Schatten unter Vollmontur im dicksten Qualm auch noch Schwerstarbeit zu leisten, ist kein Pappenstiel. In beiden Fällen hatten Feuerwehrmänner Schwächeanfälle erlitten. Ansonsten jedoch machten die Männer, teilweise saßen auch Frauen mit auf Einsatzfahrzeugen, ihre Sache ausgezeichnet.

Im Juni und Juli wurden die Feuerwehren des Kreises zu 54 Wald- und Feldbränden gerufen. Die Masse verteilte sich dabei auf acht Tage. Allein vom 1. bis 3. Juli wurden 21 und vom 27. bis 31. Juli 20 Brände gemeldet. "Vielfach mussten Feuerwehren mehrmals am Tage ausrücken. Was hier geleistet wurde, das verdient höchste Anerkennung", so gestern der Beigeordnete Rainer Schinkel. Im Auftrag des Landrates, der derzeit im Urlaub ist, übermittelte er Willi Rossow stellvertretend für die Feuerwehren im Kreis den Dank der Kreisverwaltung.

Die genauen Schäden sind noch nicht aufgelistet, ebenso nicht die Zahl der beteiligten Wehren und Feuerwehrmitglieder. Es brannte jedoch an fast allen Ecken des Kreises. Ausgenommen blieb wie durch ein Wunder bis auf Wriezen das Oderbruch, während es in Hoppegarten ebenso loderte wie in Wegendorf, Buchholz, Rehfelde oder Reichenow, Lietzen, Mallnow oder Libbenichen. Den größten Schaden gab es in der vergangenen Woche beim Brand in Lietzen, wo 150 ha Getreide abbrannten. Nur mit Hilfe von Feuerwehren aus Frankfurt und Oder-Spree konnte das Inferno gestoppt werden.

Während die meisten Wehren mit dem ersten Regen am Freitag aufatmen konnten, ging es für einige auf der Höhe, wo kaum Niederschläge gefallen waren, weiter. Am Sonntagabend brannte hier schon wieder eine Strohpresse am Schlag unmittelbar neben der B 167. Willi Rossow weiß, dass die Brandgefahr noch nicht gebannt ist. Zum Ende der Woche soll es wieder heißer werden. Der Wind trocknet schnell alles ab.

Die geringe Feuchtigkeit des Getreides auf den Höhenschlägen (zum Teil unter zehn Prozent) dürfte eine der Hauptursachen dafür gewesen sein, dass es hier besonders häufig brannte, vermutet Hartmut Sommer, im kreislichen Ordnungsamt für den Bereich Brandschutz zuständig. Über die Leitstelle hat der Kreis jederzeit einen Überblick. Bewährt hätten sich gerade bei den größeren Flächenbränden die beiden Einsatzleitwagen des Kreises, die den Feuerwehren Müncheberg und Vogelsdorf zugeordnet sind. Von ihnen aus sei eine abgestimmte Koordinierung mit der Leitstelle möglich gewesen, so Sommer. Überhaupt habe es mit der Leitstelle, die in den letzten Wochen manche Kritik einstecken musste, gut geklappt. Überall seien die richtigen Alarmierungen erfolgt, habe man unkompliziert Nachalarmierungen ausgelöst und sich abgestimmt.

"Ein Problem ist für die Leitstelle, dass sie zu einem Brand oft mehrere Anrufe bekommt", erklärt Rossow. Flächenbrände sind weithin sichtbar. Angaben kommen daher oft ungenau und dann stellt sich heraus, dass längst alles eingeleitet ist. "Da heißt es auch für die Männer in der Leitstelle, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen", resümiert der Kreisbrandmeister. Zumal ja nicht nur die Brandbekämpfung zu koordinieren ist. Das "normale" Einsatzgeschehen lief und läuft außerdem - vom Garagen- über den Wohnungsbrand bis hin zum Verkehrsunfall. "Und dann stehen die Feuerwehrleute auch noch bei den Ortsfesten und sichern dort einiges ab", macht Hartmut Sommer deutlich. Familienleben finde derzeit für manche kaum noch statt.

"Den Angehörigen gilt deshalb auch ein großes Dankeschön für ihr Verständnis", unterstreicht Rainer Schinkel. Er lobt zudem die Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter mitunter sogar mehrmals am Tag für Einsätze freistellen, ohne dass der Betreffende betriebliche Nachteile fürchten muss. Bisher sei kein einziger Fall bekannt geworden, wo Arbeitgeber Feuerwehrleuten die Teilnahme an Einsätzen verwehrten.

Am 26. Mai 2007 hat der Landrat des Kreises eine Allgemeinverfügung über das Anlegen von Sicherheitsschutzstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen zu Beginn von Erntearbeiten, die unmittelbar an Waldflächen angrenzen, erlassen. Darin werden die Bewirtschafter von landwirtschaftlichen Flächen verpflichtet, während der Waldbrandwarnstufen III und IV einen Sicherheitsschutzstreifen von mindestens drei Metern zu Waldkanten (so genannte Wundstreifen) anzulegen. Damit soll im Fall eines Feldbrandes das Übergreifen auf einen angrenzenden Wald verhindert werden. Der Schutzstreifen ist als Erstes von Erntegut zu beräumen. Anschließend muss er in geeigneter Weise umgebrochen werden (er ist wund zu machen). Erst danach darf die Ernte weitergehen.

Unabhängig von dieser Verfügung legen Verwaltung und Kreisbrandmeister den Betrieben nahe, Pflüge und Tankwagen an Feldern zu stationieren, die abgeerntet werden oder wo Stroh gepresst wird. Bei Getreide- oder Strohbränden greift das Feuer in Sekundenschnelle um sich, noch dazu, wenn leichter Wind geht. Nur, wenn diese Technik vor Ort ist, kann ein möglicher Brandherd schnell eingekreist und das weitere Übergreifen verhindert werden. Das haben die Brände der letzten Wochen bewiesen.

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