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Ulrich Thiessen 28.07.2010 18:42 Uhr - Aktualisiert 28.07.2010 18:46 Uhr

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Notrufeinsätze erfüllen 
nicht die Norm

Potsdam (moz) In den meisten brandenburgischen Landkreisen werden die Vorgaben für die Einsatzzeiten bei ärztlichen Notrufen nicht eingehalten. Vor allem in Märkisch-Oderland dauert es in zwanzig Prozent der Fälle zu lange bis der Arzt kommt.

  Damit sich die Einsatzzeiten weiter verbessern, über die Rettungskräfte regelmäßig. © MOZ/Karl-Heinz Wendland

Bei einem Notruf soll nach 15 Minuten der Rettungswagen oder Arzt zur Stelle sein. So sieht es die Verordnung über den Landesrettungsplan vor. Paragraph 8 des Brandenburgischen Rettungsdienstgesetzes verlangt, dass diese Frist in 95 Prozent der Notfälle einzuhalten ist.

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU ergibt, dass nur das Havelland 2009/10 den Anforderungen gerecht wurden. Zu Dahme-Spreewald gab es auf Grund von Datenpannen überhaupt keine Auswertungen. Der Rest liegt unter den magischen 95 Prozent. Am besten steht noch Potsdam-Mittelmark mit 93,2 Prozent fristgemäßer Einsätze da. Der Landkreis Oder-Spree liegt bei 89,5 Prozent, die Uckermark bei 89,4 Prozent, der Barnim bei 87 und Märkisch-Oderland mit 80 Prozent am Ende aller Kreise.

Karl-Heinz Grütte, Referent für Rettungsdienst im Potsdamer Gesundheitsministerium, verweist jedoch auf die Probleme im Osten des Landes. Der Landkreis Märkisch-Oderland habe im vergangenen Jahr rund 3 000 Einsätze jenseits der Kreisgrenzen gefahren. Das entspricht der Auslastung von zwei Rettungsfahrzeugen.

Durch die erstmalige Erhebung zeigen sich laut Grütte die aktuellen Verwerfungen im Rettungswesen. So seien bessere Absprachen zwischen Kreisen erforderlich. Oder-Spree habe in den letzten Jahren neue Rettungswachen aufgebaut. Märkisch-Oderland plane noch eine weitere, um die Defizite abstellen zu können. Im Grenzbereich zwischen beiden, seien gemeinsame Regelungen notwendig. In einigen Landkreisen seien die Rettungsdienst zudem durch sogenannte Duplizitätsfälle – zwei gleichzeitige Hilferufe – besonders beansprucht. Das könne in einigen Gegenden bei 10 Prozent der Einsätze auftreten.

Nach Auskunft der Landesregierung lässt sich statistisch nicht belegen, dass die Sterbefälle in Brandenburg bei Noteinsätzen höher liegen als in anderen Bundesländern. Bei Einsätzen nach schweren Unfällen, Schlaganfällen und Herzinfarkten liege die Sterblichkeitsrate in Brandenburg zum Teil über, zum Teil unter dem Durchschnitt der andren Länder.

Für die CDU verweist dagegen deren stellvertretender Fraktionschef Michael Schierack darauf, dass laut Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Brandenburg zu den drei Ländern mit der höchsten Sterblichkeit bei Herzinfarkten gehört. Besonders betroffen seien die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Spree-Neiße. Dort liegen die Einsatzzeiten in 83,6 Prozent beziehungsweise in 92,7 Prozent der Notfälle im Einsatzlimit von 15 Minuten.

Grütte betont, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern werde, bis die Einsatzstellen so koordiniert seien, dass das Landesziel erreicht werden kann. Erst mit der Gesetzesnovelle von 2008 habe man überhaupt vergleichbare Zahlen erhalten, vorher sei viel statistisch geschönt worden. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren jedoch schon gebessert. Der CDU-Abgeordnete Schierack verlangt, dass das Land schneller aktiv werde.

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