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Henning Kraudzun 02.09.2010 19:37 Uhr

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Das große Handlesen

Schönefeld (moz) Intelligente Kameras, biometrische Sicherheitssysteme sowie eine computergesteuerte Lenkung der Passagierströme – der neue Großflughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) will auch beim Thema Sicherheit bundesweit Maßstäbe setzen.

Wer künftig am Airport BBI seiner Arbeit nachgehen will, sollte sich die Hände waschen. Mit einer schmutzigen Hautoberfläche schafft man es nicht, einen speziellen Scanner zu passieren, der die Venen der Handinnenfläche überprüft. Die Struktur der Äderchen ist bei jedem Menschen so einzigartig, dass sie als biometrischer Ausweis in den Sicherheitsschleusen verwendet werden kann. Die Kontrollgeräte sind vor den sensiblen Bereichen im künftigen Flughafen installiert.

Noch vor dem Probebetrieb im Frühjahr 2011 beginnt das große Handlesen. „18 000 Mitarbeiter brauchen mehr oder weniger regelmäßig Zutritt zu den Sicherheitsbereichen, so viele linke Hände müssen wir einscannen“, sagt Oliver Wendt, Sicherheitsplaner des neuen Airports. Diese Identifizierung fungiert neben dem neuen „Multifunktionsausweis“ als Schlüssel für die Kernbereiche des BBI. Dabei habe man sich bewusst für die Hände entschieden, denn andere Technologien würden mit größerem Argwohn betrachtet, meint Wendt. „Niemand lässt sich gerne in die Augen schauen“, erklärt er im Hinblick auf die Iris-Erkennung, die etwa auf dem Frankfurter Airport den Zugang zu Hochsicherheitszonen ermöglicht.

Auch die Bundespolizei will im Schönefelder Großflughafen aufrüsten – automatisierte Passkontrollen sollen die Abfertigung der Passagiere beschleunigen. Wer schneller durchkommen will, benötigt einen elektronischen Reisepass mit einem digital gespeicherten Porträt. Dieses wird dann von Kameras mit dem Gesicht abgeglichen. Stimmen die Daten überein, darf man passieren.

Künftig werden auch die Ausweise der BBI-Mitarbeiter zu Allzweckkarten, erklärt Knut Deimer, IT-Chef der Flughafengesellschaft. Die Angestellten können sie dann für Zutrittskontrollen, für die Arbeit am PC, für das Tanken, Kopieren, in der Kantine oder als Türöffner verwenden. „Die Karten können auch nicht von Fremden ausgelesen werden“, so Deimer.

Ebenso gehören schwere Schlüsselbunde der Vergangenheit an. „Alle Türen im Terminal und in der Verwaltung werden über Kartenleser geöffnet“, sagt Wendt. Auf den Ausweisen könnte der Computer auch Zutrittsberechtigungen für bestimmte Bereiche speichern – etwa für 24 Stunden. „Dadurch wird ausgeschlossen, dass jemand in fremden Räumen herumschnüffelt“, sagt Wendt.

Ein wesentlicher Bestandteil des BBI-Sicherheitskonzepts sind auch intelligente Zäune und Kameras. Auf 25 Kilometern Länge wird die Absperrung um das 2000 Fußballfelder große Areal gezogen, die auf Berührungen sofort reagiert. Dann werden Kameras aktiviert, die alle 200 Meter installiert sind. „Die senden uns Bilder nur bei Ereignissen. Dadurch können wir die Datenflut eingrenzen“, erklärt Projektleiter Uwe Weigmann. Ein Fehlalarm etwa durch Wildtiere könne weitgehend ausgeschlossen werden. Insgesamt werden auf dem BBI-Gelände und im Terminal rund 1500 computergesteuerte Kameras installiert.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, kommt den Computern eine immer größere Bedeutung zu (siehe Kasten). Alle Daten laufen dabei zur BBI-Leitstelle, die wiederum mit den Wachen von Feuerwehr, Bundes- und Landespolizei sowie den Stationen der Wachleute verbunden ist. „Das System ist der sensibelste Bereich, daher werden dort nur eigene Mitarbeiter für die Wartung eingesetzt“, sagt Deimer.

Insgesamt werden die Sicherheitsmaßnahmen auf dem BBI-Gelände einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, sagt der Sicherheitschef der Berliner Flughäfen, Christian Leininger. Durch die Computersysteme soll es auch möglich sein, Passagierströme zu steuern und das Personal zielgerichtet einzusetzen. „Hundertprozentig kann man Vorfälle künftig nicht ausschließen, aber wir haben auf jeden Fall Maßstäbe 
gesetzt.“

Zwei Rechenzentren werden das Hirn des künftigen Flughafens. Dort werden alle täglichen Abläufe von der Leitstelle bis zum Einchecken gesteuert. Dafür ist eine Rechenleistung von umgerechnet 8000 Heimcomputern notwendig. Als Speicherplatz werden auf den Festplatten 100 Terabyte bereitgehalten – damit könnte man 20 000 Spielfilme im DVD-Format abspeichern. Die Beschleunigung der Abläufe wird immer wichtiger: Wenn Hochverkehr herrscht, starten und landen bis zu 6500 Passagiere in der Stunde. Im ersten Jahr sollen bereits 27 Millionen Fluggäste im BBI abgefertigt werden.

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