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Beate Bias 03.09.2010 20:31 Uhr - Aktualisiert 04.09.2010 00:21 Uhr

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Kleiner Irrtum führt in den Tod

Frankfurt (Oder) (moz) Eine 69-jährige Frau aus Braunschweig ist in dieser Woche an den Folgen einer Pilzvergiftung gestorben. Ein Ehepaar aus Niedersachsen ringt nach dem Verzehr giftiger Knollenblätterpilze mit dem Tod. Weitere Fälle gibt es in Bayern, Berlin und Brandenburg. Alle Betroffenen sollen den Giftpilz mit einem Champignon verwechselt haben.

  Tarnt sich in diesem Jahr als Champignon. © Wikipedia

Als Gerhard Grune vor einigen Wochen durch den Stadtwald von Frankfurt (Oder) streifte, bekam er einen riesigen Schreck. Überall schossen Knollenblätterpilze aus dem Boden. Normalerweise hat der giftige Grüne Knollenblätterpilz eine olivgrüne Färbung. Doch diese Pilze hatten weiße und gelbe Hüte. „Das hat mich überrascht“, sagt Grune bei einem Spaziergang durch den Wald bei Rosengarten. Die Beobachtung löste bei dem 74-Jährigen eine große Sorge aus: Was ist, wenn die Pilze verwechselt werden?

Der Sachverständige informierte sofort die Rettungsstelle des Frankfurter Klinikums. Wenige Tage später lieferte man dort die ersten Patienten mit typischen Symptomen ein. Inzwischen gibt es in Brandenburg und in Berlin acht Fälle bei denen sich Patienten mit dem Knollenblätterpilz vergiftet haben sollen. Alle Frauen und Männer werden inzwischen in der Berliner Charité behandelt. Obwohl ihr Zustand mitunter kritisch war, ist bislang niemand an den Folgen der giftigen Mahlzeit gestorben.

Gerhard Grune glaubt, dass die Patienten aus Frankfurt nur noch aus einem Grund am Leben sind: „Die Ärzte in der Rettungsstelle haben die Vergiftung sofort erkannt und die richtigen Maßnahmen eingeleitet. Das tückische an dem Grünen Knollenblätterpilz sei, dass sich Symptome erst nach Stunden bemerkbar machen. Eine Rettung ist dann meist zu spät. Letzte Möglichkeit ist eine Transplantation der Leber.

Gerhard Grune läuft weiter durch den Stadtwald. Es riecht nach frischen Pilzen und nassem Laub. Spaziergänger mit vollen Körben eilen an ihm vorbei. Darin liegen knackige Steinpilze und braune Maronen. Es sind die häufigsten Arten in der Region. „Aber allein im Stadtwald gibt es 357 Pilzarten“, erklärt der Sachverständige. Irgendwo unter einem Laubbaum bleibt er stehen. Ein Pilz mit weißem Hut hat sich durch das braune Laub geschoben. „Das ist der Kegelige Wulstling“, sagt Gerhard Grune. Er gehört zu den Knollenblätterpilzen und damit zu den giftigsten Pilzen der Welt.

Warum die Grünen Knollenblätterpilze in diesem Jahr eine ungewöhnliche Färbung haben, kann sich der Sachverständige nicht erklären. „Da müssen Untersuchungen her“, fordert der Experte. Dennoch ist Grune überzeugt, dass die Betroffenen eine Mitschuld an ihrem schlimmen Schicksal tragen. Als Sachverständiger habe er sich bei Patienten bereits Abfälle von Pilzen angeschaut. „90 Prozent davon waren giftig.“ Als er danach fragte, hieß es, dass die Pilze im Wald „doch so schön aussahen“.

Über so viel Naivität schüttelt Grune verständnislos den Kopf. Überhaupt klagt der Sachverständige über mangelnde Kenntnisse. „Die Erfahrungen der Eltern werden nicht mehr wie früher an die Kinder weitergegeben“, sagt er.

In Brandenburg gibt es keinen Überblick über die Zahl der Opfer von Pilzvergiftungen. „Statistisch sind die Fälle nicht erfasst“, bestätigt am Freitag die Sprecherin des Gesundheitsministeriums Alrun Nüßlein. Vermerkt werden lediglich Vorkommnisse im gewerblichen Bereich, nicht aber, wenn Privatpersonen sich im Wald die falschen Pilze aussuchen.

Wer wissen möchte, welche Pilze kein Unheil anrichten, kann sich gemeinsam mit Gerhard Grune auf den Weg machen. Der Sachverständige bietet an diesem Sonnabend ab 
10 Uhr eine Pilzwanderung rund um die Ragower Mühle im Landkreis Oder-Spree an. „Ich lasse die Teilnehmer erst einmal alles in die Körbe packen“, erklärt der Mann aus Frankfurt. Später werde aussortiert. „Es gibt so viele essbare Pilze“, schwärmt der 74-Jährige. Am liebsten mag er sie mit Speck in Butter gebraten.

Am Schluss der Wanderung gibt Grune noch einen Tipp auf den Weg: „Niemals die Pilze in Plastiktüten sammeln.“ Denn dort können selbst essbare Sorten durch chemische Prozesse giftig werden. Und wer sich nicht sicher ist, sollte Pilz ohnehin lieber im Wald stehen lassen. „Oder Sie kommen zur Beratung in die Räume der Urania in der Fürstenwalder Straße 46“, bietet der Sachverständige an. Dort wartet er jeden Montag zwischen 
10 und 12 Uhr auf Besucher.

Stichwort Vergiftung:

Fotostrecke

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.   ©

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Erste Symptome einer Vergiftung mit Knollenblätterpilzen sind Brechdurchfälle. Sie treten in der Regel nach acht bis zwölf Stunden auf. Seltener erscheinen Symptome nach zwei bis sieben oder 13 bis 36 Stunden. Sie klingen danach für zwei bis drei Tage ab, um sich dann zu einem kompletten Leberversagen zu entwickeln. Der Tod tritt meist etwa zehn Tage nach dem Verzehr ein.

 

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