Baruth (moz) Angehörige der russischen Armee, die derzeit auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Deutschland sind, haben am Dienstag in Baruth (Teltow-Fläming) die Bauarbeiten an der Erdgasleitung Opal besucht. Die Pipeline wird auch den einstigen Kessel von Halbe (Dahme-Spree) durchqueren, wo Ende des Zweiten Weltkrieges Zehntausende ums Leben gekommen sind: Zivilisten auf der Flucht vor erbitterten Kämpfen um die Hauptstadt, deutsche und sowjetische Soldaten.
Russische und deutsche Soldaten besichtigen gemeinsam die Schweissarbeiten am Rohrstrang in der Nähe von Luckau.
Neben einer Unmenge an Munition und Kriegsschrott liegen bis heute sterbliche Überreste unentdeckt in den märkischen Wäldern. „Für uns ist die Verlegung der Erdgasleitung eine Chance, möglicherweise zahlreiche Gebeine russischer und deutscher Kriegsopfer bergen zu können. Sofern wir Hinweise zur Identifizierung finden, werden wir damit auch persönliche Schicksale klären“, sagt Reinhard Führer, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Seit Januar halten sich Umbettungs-Fachleute des Volksbundes auf Abruf bereit. Werden auf der 36 Meter breiten Trasse Hinweise auf menschliche Gebeine gefunden, verständigen die Baufirmen die Umbetter für die Bergung der Gebeine. Handelt es sich bei den Überresten um Kriegsopfer, werden die Toten zu den Kriegsgräberstätten in Lietzen, Lebus, Halbe oder Spremberg überführt, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden.
Die Erdgasleitung Opal ist mit einer Länge von über 470 Kilometern nach Angaben der Opal Nel Transport die längste Baustelle Deutschlands. „Etwa fünf Tage und gut 3000 Kilometer wird das Erdgas zurückgelegt haben, wenn es aus den großen russischen Erdgasfeldern in Sibirien kommend ab Oktober 2011 über die Ostsee-Pipeline Nord Stream hier für den Großraum Berlin-Brandenburg ausgespeist wird“, erklärt Bernd Vogel, Geschäftsführer der Opal Nel Transport GmbH auf der Baustelle bei Baruth. Die Leitung ist mit einer Transportkapazität von 36 Milliarden Kubikmetern pro Jahr und einem Durchmesser von 1,40 Meter die größte in Europa verlegte Erdgasleitung. Welcher Aufwand betrieben werden muss, damit das russische Erdgas nach Deutschland kommen kann und wo es dann hingeht – darüber machte sich die Delegation der russischen Armee direkt vor Ort ein Bild.
Die Soldaten des 90. Spezial-Such-Bataillons aus Mga (40 Kilometer östlich von St. Petersburg) sind derzeit für einen zwölftägigen Austausch in Deutschland. Die Delegation wird während dieser Zeit gemeinsam mit Soldaten des Wachbataillons im Bundesministerium der Verteidigung Kriegsgräber des Zweiten Weltkriegs in Berlin und Brandenburg pflegen sowie an Einbettungen gefundener Gefallener auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Halbe und dem russischen Soldatenfriedhof in Lebus teilnehmen.
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