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Die Ernte verkommt im Wasser

Frankfurt (Oder) (moz) Die diesjährigen Ernteverluste in der Landwirtschaft haben noch nicht absehbare Folgen für die Bauern. Nach Einschätzung des Landesbauernverbandes stehen in Brandenburg etwa 35 000 Hektar unter Wasser und können nicht abgeerntet werden. Die Cüstriner Landgut GmbH im Oderbruch stellt nach Aussage von Geschäftsführer Udo Kutzke ihre Putenmast ein, weil das Stroh entweder gar nicht von den Feldern geholt werden kann oder von Pilzen befallen ist. In Potsdam-Mittelmark reduzierte eine Agrargenossenschaft wegen Futtermangels fast ihren kompletten Rinderbestand.

  Ein Landwirt aus dem Oderbruch steht mit Gummistiefeln im aufgeweichten Ackerboden. © dpa

„Die Situation ist hochdramatisch“, sagt Ines Sennewald vom Kreisbauernverband in Seelow (Märkisch-Oderland). Viele Flächen seien verloren, die Halme stünden knietief im Wasser. „Wir wissen nicht, was noch zu retten ist“, konstatiert sie resigniert. Auf 30 Prozent beziffert Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbandes, die Verluste beim Getreide. Die Folge: Preise explodierten. „Wenn die Bauern Getreide zukaufen wollten, müssten sie tiefer in die Tasche greifen“, erklärt Brantsch.

Udo Kutzke, Chef des Cüstriner Landguts, muss nach Ernte-Einbußen seine Putenmast vorerst einstellen. Das benötigte Stroh für die fünf bis sechs Durchgänge mit jeweils 12 000 Puten jährlich liegt zum Teil noch auf den durchnässten Feldern oder ist verpilzt. „Damit können wir keine Puten mästen. Die Tiere würden erkranken“, erklärt Kutzke. An Weizen, Raps und Mais kommen die Landwirte nicht heran und müssen zusehen, wie die Ernte verkommt. „Dass das Wasser so hoch stand, daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt Kutzke.

Die landwirtschaftliche Vermögens- und Verwaltungsgesellschaft in Seelow beziffert den finanziellen Verlust auf rund eine Million Euro. In Potsdam-Mittelmark hat der Futtermangel als Resultat der diesjährigen Wetterkapriolen bei der Agrargenossenschaft „Planetal“ in Lütte dazu geführt, dass der Rinderbestand von 1400 auf 550 Tiere reduziert wurde.

Udo Kutzke vom Cüstriner Landgut hat die Schuldigen für die Misere im Oderbruch in Potsdam ausgemacht. Vorfluter und Sammelsysteme seien durch das Land über Jahre hinweg vernachlässigt worden. „Das Oderbruch ist absichtlich vernässt worden“, betont Kutzke.

Umweltministerin Anita Tack (Linke) kündigte gestern im Landtag an, die Sanierung der durch das Oderbruch fließenden Alten Oder schneller als geplant zu beenden.

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