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Sarrazin verlässt freiwillig die Bundesbank

Potsdam (DPA) Nach dem Wirbel um seine umstrittenen Thesen zur Einwanderungspolitik verlässt Thilo Sarrazin freiwillig die Bundesbank. Er habe den Bundespräsidenten gebeten, ihn vom Amt zu entbinden, erklärte der Vorstand der Bundesbank am Donnerstagabend in Frankfurt. Christian Wulff muss daher nicht mehr über den Antrag des Vorstands auf Entlassung Sarrazins entscheiden.

  Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin in Potsdam beim Start seiner Lesereise. © dpa

Den Entlassungsantrag hat die Bundesbank nach eigenen Angaben zurückgezogen. Zudem halte man negative Bewertungen des Verhaltens Sarrazins nicht mehr aufrecht. Man werde die Zusammenarbeit einvernehmlich zum Monatsende beenden.   Der Bundesbank-Vorstand hatte am Donnerstag vergangener Woche erstmals in seiner Geschichte den Antrag auf Abberufung eines seiner Mitglieder gestellt. Unter dem Chef Axel Weber hatte sich alle übrigen Vorstandsmitglieder gegen den früheren Berliner Finanzsenator Sarrazin gewendet. Er habe mit seinen Thesen das Ansehen der Bundesbank beschädigt und gegen die Pflicht zur Zurückhaltung eines Vorstandes verstoßen, hieß es vor einer Woche.

Am Donnerstag hat Sarrazin, begleitet von lautstarken Protesten vor dem Start, eine bundesweite Lesereise begonnen. Im ausverkauften Potsdamer Nikolaisaal las der ehemalige Berliner Finanzsenator vor etwa 700 Gästen aus seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“. Das Publikum im Saal empfing den 65-Jährigen überwiegend mit Applaus; einige jubelten und begrüßten den Redner mit „Standing Ovations“.

Vor dem Gebäude protestierten dagegen zahlreiche Menschen unter dem Motto „Keine Toleranz gegen Rassisten“ gegen den Leseabend. Mit seinen Äußerungen über Einwanderer hatte Sarrazin bundesweit Proteststürme ausgelöst. „Ich und viele meiner Kollegen haben Wut im Bauch“, sagte ein Berliner, der vor 25 Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen war und seitdem bei Siemens arbeitet. „Sarrazin schafft sich ab“ stand auf einem Transparent an der Fassade eines Nachbarhauses.Andere Demonstranten gaben sich als Sarrazin-Befürworter zu erkennen. Darunter waren auch einige Anhänger der rechten Szene. Die Polizei erteilte ihnen Platzverweise. Weitere Zwischenfälle habe es zunächst nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

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