Frankfurt (Oder) (moz) Verkehrsunternehmen in Brandenburg und Berlin beklagen, dass Schwarzfahren immer mehr zum Volkssport wird. Menschen aller Altersgruppen werden ohne Fahrschein erwischt. In Potsdam werden jetzt drastische Maßnahmen ergriffen.
Für einen 26-jährigen Berliner klickten vor wenigen Tagen die Handschellen an der Stadtbrücke in Frankfurt (Oder) – als er zufällig von der Polizei kontrolliert wurde. Gegen den Mann lagen zwei Haftbefehle wegen des „Erschleichens von Beförderungsleistungen“ vor. Insgesamt elf Mal war er ohne Ticket erwischt worden. Jetzt muss der Schwarzfahrer für 147 Tage ins Gefängnis.
Ein drastischer, aber beileibe kein Einzelfall, wie Verkehrsunternehmen der Region bestätigen. „Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen werden erwischt“, sagt Stefan Klotz, Sprecher des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP). Da das Fahren ohne Ticket in der Landeshauptstadt überhand genommen hatte, setzt das Unternehmen nunmehr auf sogenannte Schwerpunktkontrollen. Bei Großeinsätzen von Sicherheitsleuten an Haltestellen kann niemand entwischen. Die Polizei steht im Hintergrund bereit.
„Die erste Aktion hat sich gelohnt“, sagt Klotz. Innerhalb von sechs Stunden seien am vergangenen Sonnabend 83 Schwarzfahrer erwischt worden. Sonst sind es pro Wochenende nur etwa 30. Eine weitere Strategie des ViP ist, dass Kontrolleure auf offener Strecke zusteigen. Auch hier können Schwarzfahrer nicht entkommen.
Klotz rechtfertigt die Aktionen mit dem wirtschaftlichen Schaden, den Schwarzfahrer verursachen. Laut Schätzungen entgehen dem Potsdamer Verkehrsbetrieb dadurch jährlich eine Million Euro Einnahmen – bei einem Gesamtumsatz von 13 Millionen Euro. Die Zahl der erwischten Schwarzfahrer hat sich innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es in Potsdam über 6000. Daher seien weitere Schwerpunktkontrollen geplant, so Klotz.
In der Hauptstadt hat sich das Konzept längst bewährt. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) verweist man darauf, dass durch Großkontrollen eine abschreckende Wirkung auf Schwarzfahrer erzielt werde. Dem landeseigenen Unternehmen entsteht durch Fahrgäste, die kein Ticket kaufen, ein jährlicher Schaden von 20 Millionen Euro – ein Drittel mehr als 2007. Auch die S-Bahn beklagt einen Anstieg der Schwarzfahrer. „Die Quote ist derzeit zu hoch, wir werden mit verstärkten Kontrollen gegensteuern“, sagt ein Sprecher. Die Bahn-Tochter setzt ebenfalls auf gelegentliche Großeinsätze der Kontrolleure, bei denen Polizisten vor Ort sind. „Das vereinfacht die Abläufe“, so der Sprecher weiter. Konkrete Zahlen zur Schwarzfahrer-Quote nennt die S-Bahn nicht.
Die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) (SVG) hat je nach Erhebung festgestellt, dass zwischen vier und 15 Prozent der Passagiere ohne gültigen Fahrausweis unterwegs ist. „In allen Altersgruppen gibt es Schwarzfahrer, auch mal ältere Damen. Das Problem nimmt zu“, sagt der Verkehrsleiter Verkehr Fred Bernau. Er schätzt die jährlichen Einnahmeausfälle auf einen sechsstelligen Betrag. Daher setze die SVG weiter auf Kontrollen im gesamten Linienverkehr durch ein beauftragtes Unternehmen. Zudem helfen auch schon mal Straßenbahnfahrer aus – „ehrenamtlich“, wie Bernau betont. Andere Verkehrsunternehmen gehen davon aus, dass mindestens jeder 20. Fahrgast nicht bezahlt hat.
Nach der bundesweit geltenden Eisenbahn-Verkehrsordnung müssen Schwarzfahrer ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 40 Euro zahlen. Strafrechtliche Konsequenzen drohen erst, wenn jemand mit gefälschtem Ticket oder mehrfach erwischt wird. Bei der Deutschen Bahn werden „besonders offensichtliche Fälle der Leistungserschleichung“ beim ersten Mal zur Anzeige gebracht. „Das betrifft jene, die sich vor dem Kundenbetreuer verstecken“, so Bahnsprecher Burkhard Ahlert.
Das Potsdamer Infrastrukturministerium zeigt Verständnis für mehr Kontrollen. „Wenn ein bezahlbarer ÖPNV verfügbar sein soll, müssen auch viele einzahlen“, so Sprecher Jens-Uwe Schade. „Schwarzfahrer zu erwischen ist auch fair gegenüber den Fahrgästen, die monatlich ein Ticket lösen.“
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Neueste Kommentare
24.05.2012 20:34:12 Marco Habeck
wo bleiben die drei Millionen Euro ?
24.05.2012 20:29:56 waldstromi
Steinproblem
24.05.2012 20:23:19 WackelDackel
... prust ich muss lachen ...
24.05.2012 19:54:41 ROESSLGAENGER
Mal nebenbei gesagt
24.05.2012 19:49:59 Mario Wiegand
Wer hätte es gedacht.....