Donnerstag, 17. Mai 2012

Frankfurt
sonnig
11°C/13°C

Harriet Stürmer 28.12.2010 20:33 Uhr - Aktualisiert 28.12.2010 20:36 Uhr

nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/

Sorge um die Geburtshilfe

Frankfurt (Oder) (moz) Mancherorts in Brandenburgs wird es für werdende Mütter immer schwieriger, Beistand bei der Geburt zu finden. Kleinere Geburtsstationen schließen. Gleichzeitig können sich freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe kaum noch leisten.

  Mancherorts in Brandenburgs wird es für werdende Mütter immer schwieriger, Beistand bei der Geburt zu finden. © dpa

Der Einwohnerschwund hat auch die Geburtenzahlen in Brandenburg in den vergangenen Jahren drastisch zurückgehen lassen. Vor allem in Krankenhäusern in ländlichen Regionen kommen mittlerweile weit weniger als 400 Kinder im Jahr zur Welt. Nicht ausgelasteten Geburtshilfestationen droht wegen Unwirtschaftlichkeit das Aus. Ende des Jahres trifft es Prenzlau (Uckermark) – wie bereits im Juli 2008 im Dritten Krankenhausplan des Landes Brandenburg beschlossen. Zuletzt sind im dortigen Kreiskrankenhaus etwa 200 Kinder im Jahr zur Welt gekommen. Vor ein paar Jahren waren es noch doppelt so viele Neugeborene. Werdende Mütter aus Prenzlau und dem Umland müssen nun längere Wege zum Kreißsaal auf sich nehmen. Sie werden wohl nach Neubrandenburg oder Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern oder aber nach Schwedt oder Templin (beide Uckermark) ausweichen.

Der Hebammenverband Brandenburg kritisiert das Vorgehen der Landesregierung und fordert trotz Geburtenrückgangs den Erhalt kleinerer Entbindungsstationen. „Nur so können wir eine flächendeckende Betreuung für Schwangere gewährleisten“, sagt Angela Aurich vom Verbandsvorstand. „Bei zu langer Anfahrt zum Kreißsaal besteht die Gefahr, dass die Kinder unbetreut zur Welt kommen.“ Schon jetzt komme es vor, dass die Geburt statt im Kreißsaal im Auto auf dem Weg dorthin stattfindet.

Zugleich, betont Aurich, bedeutet die Schließung von Geburtsstationen nicht, dass das Personal in anderen Entbindungsstationen unterkommt. In manchen Krankenhäusern würden immer mehr Frauen von gleichbleibend viel Personal betreut. Es gebe bereits Probleme bei der Wochenbettbetreuung. „Ohne die zusätzliche Unterstützung durch freiberufliche Hebammen würde die Nachsorge der Mütter schon jetzt nicht mehr flächendeckend funktionieren“, sagt Aurich. Und nun sei auch noch zu befürchten, dass die Zahl der freien Hebammen nicht – wie nötig – steigt.

Zwar werden angestellte Hebammen mit der Schließung von Geburtshilfestationen in die Selbstständigkeit gedrängt, sagt Aurich. Weil es für freiberufliche Hebammen aber immer schwieriger wird, von ihrer Arbeit auch leben zu können, sei zu befüchten, dass viele von ihnen den Schritt in die Selbstständigkeit nicht mehr wagen und das Handtuch werfen. Die flächendeckende Betreuung der Mütter vor und nach der Geburt sei in Gefahr. Auch für Frauen, die sich eine Hausgeburt wünschen, dürfte es künftig schwieriger werden, eine Hebamme zu finden.

Zurzeit hängen bundesweit immer mehr Geburtshelferinnen ihren Job an den Nagel. Hintergrund ist, dass der Beitrag zur Berufshaftpflichtversicherung im Sommer erneut drastisch gestiegen ist. Seit dem 1. Juli müssen freiberufliche Geburtshelferinnen etwa 3700 Euro jährlich zahlen. Im Jahr zuvor waren es rund 2400, im Jahr 2007 waren es knapp über 1200 Euro. Grund für die Anhebungen sind steigende Schadenersatzforderungen bei Kindern, die durch Geburtsfehler behindert sind. Mit den Erhöhungen hat sich kontinuierlich auch die Zahl der freien Hebammen vermindert, heißt es beim Deutschen Hebammenverband.

In ganz Deutschland gehen Hebammen zurzeit auf die Straße. Sie fordern von den Krankenkassen eine angemessene Bezahlung. 7,50 Euro netto verdient eine freiberufliche Hebamme im Durchschnitt pro Stunde, sagt Angela Aurich. Für viele sei der Verdienst zu gering, um das Geld für die Haftpflicht aufzubringen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat den 
Hebammenverbänden bereits Unterstützung zugesagt. Vor allem aber will er herausfinden, wie viele Hebammen es gibt und wie viele benötigt werden – für Aurich ein wichtiger Schritt. Denn bisher wisse niemand, wie viele Hebammen es allein in Brandenburg gibt.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

24.08.2011 19:50 Thema

Am Experimentiertisch

Kultur (MOZ) Stephanie Krumbholz hängt nicht nur ihre Bilder in die Galerie B. Seit drei Wochen arbeitet sie auch dort. Skizzen, Vorlagen, Ideengeber hat sie da... mehr

24.08.2011 07:10 Thema

Hunderte Besucher feiern Willkommenstag

Frankfurt (Oder) (MOZ) Viele nützliche Antworten auf viele Fragen fanden gestern die neuen Studenten und Studienbewerber, die einen letzten Impuls für ihre Studienentscheidung... mehr

23.08.2011 19:10 Thema

Jobcenter ersticken in Anträgen

Berlin/Brandenburg (MOZ) Mit Beginn des Schuljahres ist die Nachfrage nach Leistungen aus dem Bildungspaket gestiegen. In Frankfurt (Oder) ist der Bearbeitungsstau inzwischen... mehr

Regionalnavigator

Angermünde Bad Freienwalde Beeskow Bernau Eberswalde Eisenhüttenstadt Erkner Frankfurt (Oder) Fürstenwalde Schwedt/Oder Seelow Strausberg

Ort, PLZ oder Redaktion


Neueste Kommentare

17.05.2012 09:04:37 verzweifelder bürger

Das kenne ich doch

17.05.2012 08:54:45 nonsius

@paul wust

17.05.2012 08:23:35 Waterman

Raus raus raus verlogenes Volk

17.05.2012 08:16:42 Verone Filbert

Das Echo

17.05.2012 08:10:40 Thomas S.

Geschafft



Regional

© 2010 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG
...