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Manja Wilde 30.09.2011 19:34 Uhr - Aktualisiert 30.09.2011 19:59 Uhr

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Jüdisches Museum bricht Schultour nach antisemitischen Äußerungen ab

Erkner/Werder (MOZ) Beleidigt und bedroht wurden Mitarbeiter des Jüdischen Museums Berlin am Donnerstag und Freitag, als sie mit ihrem Tourbus Schulen in Werder (Havel) und Erkner besuchten. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) will die Vorfälle prüfen.

  Der Schulhof der Johannes-R.-Becher-Oberschule in Erkner im Jahr 2007. © MOZ/Joachim Eggers

Mit den Worten „kein Bock auf Juden-Gebrabbel“ sind am Freitag Mitarbeiter des Jüdischen Museums Berlin an der Johannes-R.-Becher-Oberschule in Erkner (Oder-Spree) brüskiert worden. Anstatt, wie geplant, ihre Ausstellung in der Turnhalle aufzubauen und die Workshops für den Projekttag vorzubereiten, machte das Team sofort kehrt und verließ die Stadt.

Erst am Vortag waren die Mitarbeiter auf dem Schulhof der Carl-von-Ossietzky-Schule in Werder (Potsdam-Mittelmark) so massiv bedroht und beleidigt worden, dass sie die Polizei rufen mussten. Laut Medienberichten wurde ihnen unter anderem „Euch hätte man früher vergast“ entgegen gerufen. Die Lehrer hätten zunächst nicht reagiert, sodass die Polizei alarmiert werden musste. Die Ossietzky-Schule gehört zu den „Schulen ohne Rassismus“ des gleichnamigen Bundesprojekts.

Bildungsministerin Martina Münch (SPD) kündigte an, die beiden Vorfälle schnell und umfassend aufzuklären. „Antisemitische Beschimpfungen und Bedrohungen oder abfällige Bemerkungen gegenüber Vertretern jüdischer Einrichtungen an unseren Schulen sind absolut inakzeptabel“, sagte die Ministerin. Die Vorwürfe würden sehr ernst genommen. „Ich möchte, dass Schüler von Anfang an tolerant sind“, betonte Münch, die das Projekt des Jüdischen Museums begrüßt.

Seit dem Jahr 2007 touren Mitarbeiter des Museums mit einer mobilen Ausstellung und Workshops durch Deutschland, um Schülern das jüdische Leben näher zu bringen. 250 Schulen haben sie seither besucht. „In dieser Woche ist es das erste Mal passiert, dass wir eine Veranstaltung abbrechen mussten“, sagt Dagmar Wunderlich, Ansprechpartnerin des Projekts „Museum macht Schule“. Dass sich dies in Erkner sofort wiederholt hat, „ist ein Schlusspunkt der Brandenburg-Tour, den wir uns nicht gewünscht hätten.“ Obwohl die Vorfälle an der Becher-Schule nicht so gravierend waren wie in Werder, sei die Stimmung dort „sehr ablehnend“ gewesen.

Die Schulleitung der Oberschule war schockiert über das Geschehen. „Wir sind sehr traurig“, sagte Evelyn Seidel, stellvertretende Schulleiterin. Zwei Schüler aus der 8. Klasse hatten die Museumsmitarbeiter am Morgen mit ihren Äußerungen verletzt. „Einer hat sich sofort entschuldigt, aber dies wurde nicht angenommen“, bedauerte sie. Auch die Bitten anderer Mitschüler, der Schule eine Chance zu geben, hätten das Museums-Team nicht umstimmen können. Möglicherweise sei „etwas überreagiert worden“, weil die Vorfälle aus Werder zu frisch waren. „Die Achtklässler, die das Team gemobbt haben, waren Leute, die keine anderen Hobbys haben als sich aufzuspielen“, sagt die 16-jährige Saskia Majewski. „Mich hätte der Projekttag interessiert.“

Die Innen-Expertin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ursula Nonnemacher, nannte die antisemitischen Äußerungen an beiden Schulen als „ernst zu nehmende Alarmzeichen, denen konsequent nachgegangen werden muss.“

Das „Demokratie-Mobil“ der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“ stand am Freitag an der Ossietzky-Oberschule in Werder, um das Gespräch mit Lehrern und Schülern zu suchen.

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