Es war der dritte Anlauf für ein Zusammengehen. Noch nie allerdings waren die Akteure in der Kreisstadt und im Amt Seelow-Land so nah dran. Doch auch der dritte Versuch schlug fehl. Vor drei Jahren hatten die Gemeinderäte und die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass sie eine Arbeitsgruppe bilden, die sich intensiv mit dem Thema befassen sollte. Hintergrund bildeten die weiter sinkenden Einwohnerzahlen.
Das Amt hat derzeit 4 867 Einwohner, die Stadt 5 479. Beide Verwaltungen sitzen in Seelow. "Ich war immer eine Verfechterin der Selbstständigkeit unserer Kommunen", sagt Amtsdirektorin Roswitha Thiede. Angesichts der Prognosen künftiger Entwicklungen sehe sie aber kaum Entwicklungschancen. Jeder Einwohner weniger bedeutet weniger Geld. Die verbleibenden Kommunen müssen die pflichtigen Umlagen zahlen, es bleibt kaum noch Gestaltungsspielraum. Alle fünf Kommunen des Amtes, die schon aus Fusionen der einst selbstständigen zwölf Kommunen hervorgegangen waren, stehen in den roten Zahlen - mit insgesamt 1,5 Millionen Euro.
Die Kreisstadt kann noch einen ausgeglichen Haushalt vorweisen - Dank der zusätzlichen 800 000 Euro, die sie als Mittelzentrum erhält. Bürgermeister Jörg Schröder (parteilos) weiß aber auch, dass so eine kleine Stadt kaum Gewicht in der großen kommunalen Familie des Landes hat. Für ihn geht es vor allem um die Sicherung der Daseinsvorsorge in den nächsten 20 Jahren. "Nur, wenn wir uns an der Basis zusammenschließen und unsere Position stärken, können wir die auch weiter sichern", steht für ihn fest.
In elf Beratungen hat die paritätisch aus Vertretern von Stadt und Amt besetzte Arbeitsgruppe alle Details beleuchtet, von Steuern über Feuerwehr und Schulen bis hin zu Verwaltung. Am Ende gab es für die Arbeitsgruppe nur eine Richtung: Eingliederung in die Kreisstadt zur Kommunalwahl 2014.
Für die Gremien wurden Grundsatzbeschlüsse erarbeitet, um die Fusion weiter vorzubereiten. In drei der fünf Kommunen fielen die Beschlüsse jetzt durch. Moniert worden war, dass nur die Eingemeindung als Alternative stand. Würde die Stadt amtsangehörige Gemeinde werden, gäbe es überall Zustimmung. Das wiederum will Seelow nicht. "Ich sehe im Amtsmodell für die Stadt keine Vorteile", sagt Schröder. Zudem gebe es keinen Fall in Deutschland, wo eine amtsangehörige Kommune Kreisstadt ist.
Beide Verwaltungschefs reisten bis Potsdam, um alternative Modelle präsentiert zu bekommen. In Brandenburg gibt es aber nur zwei Varianten: Amtsfreie Gemeinde oder Amt. "Wir hatten gehofft, dass es im Laufe dieser langen Diskussion eine Entscheidung des Landes gibt", sagt Thiede. Zum Beispiel für ein Modell der geschäftsführenden Kommune, womit die Verwaltungen fusionieren könnten. Oder für die Stärkung der Ortsbeiräte, um ihnen Mitspracherecht zu sichern. Das würde in den Kommunen Ängste vor einer Einverleibung durch die Stadt nehmen.
Jetzt schauen wieder alle nach Potsdam, warten auf Entscheidungen. Die Probleme vor Ort werden indes nicht kleiner. Das Amt muss in seinen Sitz investieren. Zudem arbeiten beide Verwaltungen personell am Limit. An der Basis fühlt man sich allein gelassen. Nur mit der Fusionsprämie sei eine solche Umgestaltung nicht zu forcieren, ist man sich einig.