Der kritisierte Beitrag hat nur ein Thema - die mutmaßlichen Qualitäten des Kandidaten Schmidt. Vorgetragen werden die Lobeshymnen allerdings nicht von Privatpersonen, sondern Menschen, die eigentlich zur Partei-Neutralität verpflichtet sind. So schwärmen drei Chefärzte des Krankenhauses Märkisch-Oderland in den höchsten Tönen von Schmidt. "Dem Landrat verdanken wir es, dass unser kommunales Krankenhaus in den letzten Jahren eine so hervorragende Entwicklung genommen hat", heißt es da unter anderem. Ein Wahlaufruf also für den eigenen Chef - Landrat Schmidt ist Vorsitzender des Krankenhaus-Aufsichtsrats.
Auch Gudrun Thiessenhusen, Leiterin des Oberstufenzentrums Märkisch-Oderland, springt für Schmidt in die Bresche. Ebenso der Präsident der IHK Ostbrandenburg und Geschäftsführer der EWE AG in Brandenburg, Ulrich Müller. "Ich wünschte mir, dass viele Politiker so pragmatisch sind wie er", sagt Müller im Wahlwerbespot über Schmidt.
Am Dienstag distanzierte sich die IHK von dem Film. "Wir wurden nicht darüber informiert, dass jenes Interview mit unserem Präsidenten für Wahlwerbung genutzt wird", sagte IHK-Sprecher Thilo Kunze. Hat also das Filmteam die Protagonisten im Unklaren darüber gelassen, wofür ihre Statements verwendet werden? Zu dieser Frage wollte Stephan Rätzel, Chef des Senders Strausberg TV, der die Aufnahmen gemacht hat, keinen Kommentar abgeben. Das Innenministerium sieht indes keinen Verstoß. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand fehlt es für ein Tätigwerden der obersten Kommunalaufsicht an tatsächlichen Anhaltspunkten für das Vorliegen eines entsprechenden Rechtsverstoßes", sagte ein Sprecher.
Schmidts Konkurrenten bei der Landratswahl sind in jedem Fall verärgert. "Selbstherrlichkeit" wirft Linke-Kandidat Bernd Sachse dem Landrat vor. "Auch Beschäftigte des Kreises sind ganz offensichtlich während der Arbeitszeit eingebunden wurden." Schmidt selbst gibt sich zerknirscht. "Ich sehe den Fehler ein und habe die kritisierten Passagen aus dem Film entfernen lassen", sagt er.
In der Kritik: Gernot Schmidt Foto: Michael Märker
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IHK fühlt sich für Stimmenfang missbraucht / SPD-Politiker lässt Film nach Protesten stark kürzen
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