Polizeisprecher Peter Salender erklärte, dass meist eine Verkettung von Faktoren zu schweren Unfällen führe. "Die Einschätzung von realen Gefahren ist bei vielen Autofahrern leider nicht vorhanden", sagte er. Zudem ließ seiner Einschätzung zufolge die Konzentration hinter dem Steuer nach: Das Schreiben von SMS, Ablenkung durch Essen oder das Autoradio könne dramatische Folgen haben. Der Chef der Polizeidirektion Ost, Olaf Fischer, sprach sich daher für einen weiterhin hohen Kontrolldruck aus. In Polizeikreisen wurde allerdings beklagt, dass dafür angesichts mehrerer Sonderaufgaben - etwa beim Kampf gegen die Grenzkriminalität - das Personal fehle.
Unfallforscher Siegfried Brockmann forderte angesichts der deutlich gestiegenen Zahl der Baumunfälle ein Umdenken der Straßenbaulastträger. "Wer neue Bäume pflanzt, handelt aus touristischen Idealen, nicht aber im Sinne der Verkehrssicherheit", sagte der Leiter des Unfallforschungszentrums der Versicherer. Dadurch entstünden in einigen Jahrzehnten "weitere Todesfallen". Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte kürzlich besseren baulichen Schutz für Alleen etwa durch Leitplanken versprochen.
Ob jedoch das von der Landesregierung durchgesetzte Tempolimit auf Alleen für mehr Sicherheit sorgt, wird nicht nur von der Opposition sondern auch von Experten bezweifelt. "Der Alleenerlass wird nur halbherzig von den Landkreisen umgesetzt", sagte Brockmann.
Sorgen bereitet dem Fachmann auch eine zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr. "Die Sitten verrohen", meinte Brockmann und verweist auf ein Problem, das auf dem jüngsten Verkehrsgerichtstag in Goslar (Niedersachsen) debattiert wurde. Aggressive Fahrer sind nach den Erkenntnissen des Unfallforschers oftmals mehrfach negativ aufgefallen. "Die kann man nur aus dem Verkehr ziehen, wenn das Flensburger Punktesystem greift", betonte er.
Unerfreuliche Trends sind in Ostbrandenburg ebenfalls bei den Alkoholunfällen (plus neun Prozent) zu verzeichnen. "Die Kampagnen gegen Alkoholmissbrauch am Steuer haben bei der Jugend in den vergangenen Jahren Wirkung gezeigt", erklärte Salender. Es gebe weniger Fälle, bei denen junge Menschen angetrunken die Rückfahrt von der Diskothek antreten.