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25.01.2013 16:36 Uhr

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Solarworld steht am Abgrund

Bonn/Frankfurt (dapd) Neuer Rückschlag für die deutsche Solarindustrie: Auch Branchenführer Solarworld kämpft jetzt ums Überleben. Nur ein drastischer Schuldenschnitt kann dem einstigen Vorzeigeunternehmen der Branche wieder auf die Beine helfen, wie der Konzern selbst mitteilte. Auch im operativen Geschäft muss das Bonner Unternehmen nachbessern. Die Börse reagierte geschockt auf die Ankündigungen. Die Solarworld-Aktie verlor am Freitag zeitweise ein Drittel ihres Werts.

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Solarworld steht am Abgrund  

Solarworld steht am Abgrund

© dapd

Solarworld-Chef Frank Asbeck zeigte sich dennoch zuversichtlich, die Krise bewältigen zu können. "Natürlich schaffen wir den Schuldenschnitt", sagte der Unternehmer der Nachrichtenagentur dapd. Externe Sachverständige hätten dem Unternehmen schließlich eine positive Fortführungsprognose gegeben, wenn die finanzwirtschaftliche Restrukturierung gelinge. Genaue Angaben zur Höhe der von den Gläubigern erwarteten Zugeständnisse machte er nicht.

Auch in der Produktion sind nach seinen Worten weitere Kostenreduktionen notwendig - etwa beim Materialeinsatz. Drastische Einschnitte beim Personal - zum Beispiel in der Fertigung im sächsischen Freiberg - schloss Asbeck, der auch größter Aktionär von Solarworld ist, trotz der zugespitzten Situation aber aus.

Wie die gesamte Solarindustrie hat Solarworld mit dem enormen Preisdruck bei Solaranlagen durch die chinesische Konkurrenz zu kämpfen. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen, die Umsätze halbierten sich. Bereits im November hatte Solarworld deshalb für das Gesamtjahr einen "deutlichen" Verlust und einen signifikanten Umsatzrückgang angekündigt.

Analyst hält Fertigung in Deutschland für zu teuer

Doch ist die Lage offenbar noch ernster als bislang bekannt. Eine Überprüfung der Unternehmensplanung für die Jahre bis 2014 durch externe Sachverständige habe ergeben, dass gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen, notwendig seien, berichtete das Unternehmen. Nach dem jüngsten Quartalsbericht hatte der Konzern zuletzt Schulden in Höhe von gut einer Milliarde Euro.

Konzernchef Asbeck sieht jedoch Licht am Ende des Tunnels. Wenn die EU nach dem Vorbild der USA Anti-Dumping-Maßnahmen einleite, werde auch Solarworld wieder wettbewerbsfähig sein. Denn bei den Produktionskosten liege das Unternehmen schon heute auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern oder sei sogar günstiger.

Bei Branchenkennern stieß die Einschätzung Asbecks allerdings nicht auf ungeteilte Zustimmung. Der Analyst Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung warnte, das Geschäftsmodell von Solarworld sei nicht zukunftsfähig: "Die Fertigung am deutschen Standort ist auch bei einem hohen Automatisierungsgrad zu teuer."

Die auf Anlegerschutz spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei Nieding + Barth betonte, es sei davon auszugehen, dass das Unternehmen nun eine Gläubigerversammlung einberufen werde, in der die Anleihegläubiger über eine Änderung der Zahlungsmodalitäten abstimmen sollten.

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