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Viele Guttenberg-Fans im Web - wenige bei den Demos

05.03.2011, 20:47 Uhr - Aktualisiert 05.03.2011, 21:56
Berlin (DPA) War was? Nö, finden hunderttausende Guttenberg-Fans im Internet und machen sich dort für eine Rückkehr des tief gefallenen CSU-Politikers stark. Weit weniger Zulauf hatten am Samstag mehrere Demos für den Ex-Minister. Nur sein Heimatort Guttenberg steht fest zu Guttenberg.

Per Mausklick machen sich im Internet Hunderttausende für Karl-Theodor zu Guttenberg stark, doch nur wenige davon gehen für den einstigen Verteidigungsministers auch tatsächlich auf die Straße.

In Hamburg kamen am Samstag lediglich 350 Menschen zu einer Pro-Guttenberg-Demonstration, und in Berlin entpuppte sich eine vermeintliche Unterstützungs-Kundgebung sogar als ironische Spott-Veranstaltung auf Kosten des von allen politischen Ämtern zurückgetretenen CSU-Politikers.

Nur im heimischen Bayern kann der 39-Jährige wirklich auf die Bevölkerung zählen. In seinem oberfränkischen Heimatort Guttenberg solidarisierten sich nach Veranstalterangaben rund 4000 Demonstranten mit dem zurückgetretenen Minister. „Es war sensationell, wir sind überrannt worden“, beteuerte Organisator Marc Benker.

Auch in Berlin wurden die Fans von Guttenberg überrannt - und zwar von einer lautstarken Spaßguerilla, die sich über den Guttenberg-Hype lustig machte. Ein junger Mann mit Pappkrone warb am Brandenburger Tor für die Monarchie und forderte: „Gutti for Kaiser“. Anschließend wurde ein großes Transparent entrollt, auf dem in Frakturschrift und mit Schreibfehler „Solidaritet mit dem Oberbefehlshaber“ angemahnt wurde. Ein Redner mit Megafon schwadronierte zu Marschmusik und unter dem Gejohle seiner Mitstreiter, Guttenberg werde keine Fußnote der Geschichte bleiben: „Du kommst zurück - auferstanden am dritten Tag!“

Nicht jedem Anwesenden gefiel dieses Schauspiel. Besonders geärgert haben dürfte sich Stephan Görsch, denn der 26-jährige Programmierer wollte in Berlin eine ernst gemeinte Pro-Guttenberg-Demonstration durchführen, hatte diese aber zugunsten der Spaßveranstaltung am Brandenburger Tor abgesagt.

Ähnlich wie in Berlin waren auch in Hamburg die Guttenberg-Gegner die lautere Gruppe - obwohl die Anhänger des CSU-Politikers dort in der Überzahl waren. Anstelle der erwarteten 1000 Unterstützer kamen aber auch nur etwa 350 Guttenberg-Fans.

Sie sahen sich rund 150 Gegendemonstranten gegenüber, die am Gänsemarkt selbstgedruckte Doktortitel verteilten und unter anderem „Schluss mit den Doktorspielchen“ forderten. „Guttenberg hat einen ganz wichtigen Aspekt verspielt: Vertrauen“, schimpfte der Hamburger Mediziner Thomas Leske. Die 74-jährige Bärbel Vukasimovic meinte hingegen: „Er hat seine Arbeit gut gemacht, der Doktortitel ist Privatsache.“

Im Freistaat Bayern war die Übermacht der Pro-Guttenberg-Demonstranten deutlich größer. So trafen etwa in München die 500 Anhänger des CSU-Mannes auf lediglich 16 Gegendemonstranten. Unter den 4000 Demonstranten in Guttenbergs Heimatort Guttenberg war auch der Vater des Politikers, der Dirigent Enoch zu Guttenberg. Die Angriffe in der Plagiatsaffäre bezeichnete der 64-Jährige als „Menschenjagd“.

„Dieser Geifer und Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land.“ Auf Transparenten waren Parolen wie „Ohne KT Deutschland ade“ und „Wir sind das Volk, wir wollen Guttenberg zurück“ zu lesen.

Mehr Anhänger als in Guttenberg hat der gleichnamige Ex-Minister nur noch im Internet. Bei „Facebook“ unterstützten bis zum späten Samstagnachmittag mehr als 570 000 User die Aktion „Wir wollen Guttenberg zurück“. Für Guttenberg demonstriert haben die meisten von ihnen aber nicht.

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Fran 06.03.2011 - 12:02:18

In den Grnezregion Medien wird schon wieder Stimmung gemacht

http://www.welt.de/politik/deutschland/article12708401/Wir-sind-laut-weil-man-uns-den-Gutti-klaut.html http://www.welt.de/politik/deutschland/article12696746/Kanzlerin-Merkel-glaubt-an-Guttenbergs-Comeback.html Anhand dieser Umfrage im Internet wollen 60% der Bürger diesen Hochstapler nicht wieder zurück. Wieso wird hier der Eindruck erweckt, das eine Mehrzahl dieses will. Also was soll diese positive mediale Betrachtung unseres Lügenbarons. Na ja der Boden für eine Rückkehr auf die Showbühne muss ja bereitet werden. Einfach nur noch peinlich solche Politiker. Wir ( Deutsche) müssen ja schon eine Lachnummer in der westlichen und östlichen Welt sein.

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