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27.01.2013 18:35 Uhr - Aktualisiert 27.01.2013 21:30 Uhr

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Sexismus-Debatte geht weiter - Brüderle schweigt

Berlin (DPA) Brüderle steht wegen angeblicher sexistischer Äußerungen in der Kritik - und bleibt bei seinem Schweigen. Längst geht es in der Debatte nicht mehr nur um ihn. In der Politik und bei Twitter bleibt das Thema ein Aufreger.

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 Der Sexismus-Vorwurf gegen den FDP-Politiker Brüderle beschäftigt zur Zeit die Medien. Die Sexismus-Debatte wird intensiv in den sozialen Netzwerken geführt.  

Der Sexismus-Vorwurf gegen den FDP-Politiker Brüderle beschäftigt zur Zeit die Medien. Die Sexismus-Debatte wird intensiv in den sozialen Netzwerken geführt.

© dpa

 

Trotz Forderungen nach einer Entschuldigung oder Erklärung schweigt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle weiterhin eisern zu den Sexismus-Vorwürfen. Beim Neujahrsempfang der NRW-FDP am Sonntag in Düsseldorf erwähnte er die Affäre mit keinem Wort. Zugleich erhält der 67-Jährige immer mehr Rückendeckung von Parteifreunden. Auch im Internet ist die Debatte über Sexismus in der Gesellschaft in vollem Gange. Dort wird Brüderle für seine angeblichen anzüglichen Äußerungen zu einer "Stern"-Mitarbeiterin auch attackiert.

 

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte seine Partei zu Solidarität mit ihrem Frontmann auf. Für den Mann an der Spitze gebe es bei den politischen Konkurrenten und "in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr". Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel kritisierte die "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich, die den Artikel geschrieben hatte. "Ich halte es für eine ziemliche Unverschämtheit von der Dame vom "Stern", die nach einem Jahr, nachdem sie sich belästigt gefühlt hat, dann, wenn jemand eine neue politische Funktion übernimmt, dieses Ereignis verarbeitet", sagte er in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". "Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun." Ein Jahr zu warten und dann zu skandalisieren, spreche für sich.

 

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warf dem "Stern" in der "Bild am Sonntag" vor, Brüderle schaden zu wollen. Er habe ihm aber von einer Klage gegen das Magazin abgeraten. "Denn der Beitrag enthält, soweit ich das überblicken kann, keine falschen Tatsachenbehauptungen." Für sich selbst wolle er aus der Debatte Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel werde er Gespräche an Hotelbars vermeiden, wenn Journalistinnen dabei seien. "Denn natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus. Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird."

 

Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" halten 90 Prozent der Bürger eine Entschuldigung Brüderles für angemessen, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

 

Die Vorsitzende des Journalistinnenbundes in Bonn, Andrea Ernst, findet die Sexismus-Debatte dringend notwendig. Dank des "Stern"-Berichts werde endlich über alltäglichen Sexismus gesprochen. Vor allem junge Frauen, Praktikantinnen und Jungredakteurinnen kämen nun zu Wort. Dem ohnehin schon sehr nahen Verhältnis zwischen Presse und Politik tue die Diskussion zudem sehr gut und professionalisiere die Beziehung wieder.

 

Aus Sicht von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ist die Nähe zwischen Medien und Politik unvermeidbar. "Ich glaube indes nicht, dass sie wirklich größer geworden ist", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" (Samstag). Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hält die Debatte um Brüderle für überzogen. "Und dann noch ein Jahr später, finde ich auch ein bisschen sehr spät, ehrlich gesagt", sagte er in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

 

Grünen-Parteichefin Claudia Roth kritisierte, Frauen würden in der Debatte "mehr und mehr zu Tätern gemacht", damit die "männlichen Machtverhältnisse" erhalten blieben. Im Sender NDR Info forderte sie Brüderle zum Handeln auf. "Es wäre nicht schlecht, wenn er sich erklären würde, wenn er sich entschuldigen würde, denn ganz offensichtlich hat die junge Journalistin sich angemacht gefühlt", sagte sie. "Es ist sehr traurig, dass ganz offensichtlich immer noch Männer meinen, Sexismus sei eine Lappalie oder sogar ihr gutes Recht (...)."

 

Auch Roths Parteikollegin Renate Künast kritisierte einige Reaktionen auf die Sexismus-Vorwürfe: "Die Frau melde sich nun zu spät, sie hätte doch bitte gleich anders reagieren müssen. Da fehlt nur noch, ein: "Sie habe es selbst verursacht"." Das alles seien Abwehrmechanismen, "die den Spieß umdrehen sollen".

 

Abseits vom politischen Parkett ging die Debatte im Kurzmitteilungsdienst Twitter am Wochenende weiter. Seit Beginn der Diskussion erschienen dort zehntausende Tweets unter dem Schlagwort (Hashtag) #Aufschrei. Am Wochenende flossen pro Minute bis zu zehn Tweets zu dem Thema ein.

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