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Die atomare Bedrohung bleibt real

Stefan Kegel
Stefan Kegel © Foto: MOZ
Stefan Kegel / 03.07.2017, 21:31 Uhr - Aktualisiert 03.07.2017, 22:13
Hiroshima (MOZ) Es war ein Wendepunkt der Geschichte: Die Filmaufnahmen des Atompilzes, der mit einem gigantischen Blitz beginnt und dessen Rauchsäule sich kilometerweit hoch in die Atmosphäre schraubt. Er hat 1945 ganz Hiroshima ausgelöscht. Kurz darauf traf ein weiteres Bombardement Nagasaki.

Der Schrecken vor dieser unglaublichen Zerstörungskraft hat in den sieben Jahrzehnten, die seitdem vergangen sind, immer gewirkt. Zwar stellten die USA und Russland Zehntausende Sprengköpfe her. Doch ihren Abschuss wagte letztlich keine der beiden Seiten, weil dies die eigene Vernichtung bedeutet hätte. Die Doktrin der gegenseitigen Abschreckung hielt. Nach dem Grauen von Japan wurden die Waffen nie wieder eingesetzt - und inzwischen sind 80 Prozent des einstigen Arsenals vernichtet.

Dennoch ist die Gefahr nicht gebannt, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in seiner jährlichen Studie feststellt. Denn seit einigen Jahren sind die großen Atommächte nicht nur dabei, ihr Arsenal mit Milliardenaufwand zu modernisieren. Sondern beide haben eine Abkehr von der einstigen Politik eingeleitet: Sie entwickeln kleine Atomwaffen, deren Wirkung angeblich steuerbar sein soll, etwa, um unterirdische Bunker zu zerstören. Mit anderen Worten: Die USA und Russland wollen Atomwaffen zu einem tatsächlichen Kriegswerkzeug machen.

Damit sorgen beide Länder gleichzeitig dafür, dass diese Waffengattung einen Boom erleben wird. Wie soll man Länder wie Israel, Indien oder Pakistan dazu bewegen, auf ihre Abschreckungs-Bomben zu verzichten, wenn die beiden Großmächte einen tatsächlichen Einsatz von Kernwaffen in greifbare Nähe rücken? Von Nordkorea ganz zu schweigen, das lautstark von einer Vernichtung des südlichen Nachbarn faselt. Gegenwärtig verhandeln in New York die Vereinten Nationen über einen Vertrag zum Verbot von Kernwaffen. Die Nuklearmächte sitzen nicht mit am Tisch.

Die traurige Wahrheit ist, dass die Welt noch viele Jahrzehnte mit diesen tödlichen Waffen wird leben müssen. Und angesichts der Unberechenbarkeit einiger Atommächte ist es nicht ausgeschlossen, dass zumindest die neue Generation dieser Waffen in absehbarer Zeit tatsächlich eingesetzt wird. Wie die Welt darauf reagiert, wird in medialen Zeiten davon abhängen, ob sie ein Bild damit verbindet. So wie einst den Atompilz von Hiroshima.

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