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Wetterexperte Hans-Joachim Knußmann spricht über Unwetter und macht Hoffnung auf den Sommer

"Berlin bekommt das meiste ab"

© Foto: Turonbek Kozokov
Andreas Wendt / 24.07.2017, 18:59 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ausnahmezustand in Berlin, Jahrhundertregen in Brandenburg - das Wetter sorgt in diesen Wochen für mitunter chaotische Zustände in beiden Bundesländern. Über die Wetterkapriolen sprach Andreas Wendt mit dem Frankfurter Meteorologen Hans-Joachim Knußmann.

Herr Knußmann, vollgelaufene Keller, überspülte Straßen, Blitz und Donner - werden wir tatsächlich immer öfter von immer schwereren Unwettern heimgesucht oder nehmen wir das durch die mediale Verbreitung nur intensiver wahr als früher?

Das ist im Prinzip schon immer so gewesen, nur heute verbreiten sich solche Meldungen sehr schnell. Dieses Jahr ist es etwas intensiver, weil wir in den Bereich von Tiefdruckgebieten kommen, die über dem Nordatlantik entstehen - dort sind die Temperaturgegensätze zwischen der polaren Kaltluft und der südatlantischen Warmluft. Diese Grenze ist in diesem Jahr etwas schärfer als sonst, deshalb bilden sich dort doch zum Teil kräftige Tiefdruckgebiete, die dann weiter nach Osten ziehen. An der Vorderseite dieser Tiefdruckgebiete stellt sich immer eine südwestliche Strömung ein, mit der sich dann zu uns diese sehr warme Luft aus dem Mittelmeerraum bewegt - in Spanien und Italien sind Temperaturen bis 40 Grad. Je wärmer diese Luftmasse ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen - und um so stärker sind dann auch die entsprechenden Gewitter.

Also ist die Klimaerwärmung letztlich der Auslöser?

Die Klimaerwärmung ist ja fakt. Der einzige Streitpunkt ist der Verursacher. Die eine Seite behauptet, es ist das CO2, die andere Seite sagt, der Hauptgrund liegt in der Sonnenaktivität und Vulkantätigkeit.

Wer hat Recht?

Das ist schwer zu sagen. Wenn man die Statistik vergleicht, kann man immer wieder feststellen, dass die Temperaturanstiege immer im Zusammenhang mit der Sonnenaktivität waren. Die Klimaerwärmung stagniert aber derzeit. Nehmen wir nur mal den Juli: Er liegt bis jetzt eigentlich im Normalbereich.

Nur die Niederschlagsmenge liegt offenbar nicht im Normalbereich.

Was wir in Oranienburg hatten, dass war eine sogenannte Vb-Lage, da kam ein Tief aus dem Süden und wir liegen hier zwischen der sehr warmen Luft aus dem Osten und deutlich kühlerer aus dem Westen. Im Grenzbereich bilden sich dann diese sehr kräftigen und intensiven Niederschläge in einem eng begrenzten Raum. Die Niederschläge in Oranienburg lagen um die 260 Millimeter. So etwas hatten wir noch nicht und ich behaupte, so etwas kriegen wir so schnell nicht wieder.

Das sind doch dann eigentlich Unwetter mit Ansage... Wie groß ist die Vorwarnzeit?

Man kann sehr gut berechnen, inwieweit sich in der sich nahenden Luftmasse Gewitter bilden werden. Man kann auch ein bis zwei Tage grob sagen, wie viel Niederschlag fallen wird. Wenn die gewitterträchtige Lage aber kommt, ist es schwierig genau vorherzusagen, wo genau diese Gewitter runtergehen. Das geht nur anhand von Radarkarten einige Stunden vorher.

Warum kracht es Berlin so heftig?

Berlin bekommt die stärksten Gewitter ab. So eine Betonstadt wird ja von der Sonne sehr stark erwärmt, und wenn ein Gewitter auf diese Großstadt zieht, verstärkt sich die Intensität. Da sind innerhalb von einer oder zwei Stunden kräftige Niederschläge von 60 bis 100 Liter pro Quadratmeter heruntergekommen. Da ist das Land nicht in der Lage, das Wasser zu verarbeiten.

Zum Abschluss die Rudi-Carell-Frage: Wann wird es denn nun mal endlich wieder richtig Sommer?

Es ist statistisch betrachtet oftmals so, dass nach einem wechselhaften Juli wie in diesem Jahr oft bis zu 85 Prozent Wahrscheinlichkeit eine stabilere Wetterlage im August folgt.

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