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Preisverfall und Absatzkrise: Brauer in Katerstimmung

Die Deutschen trinken weniger Bier - das gilt auch für die jungen Leute. Die wollen nämlich selten dasselbe trinken wie ihre Väter ...
Die Deutschen trinken weniger Bier - das gilt auch für die jungen Leute. Die wollen nämlich selten dasselbe trinken wie ihre Väter ... © Foto: dapd
27.01.2011, 16:33 Uhr
Düsseldorf/Wiesbaden (DPA) Goldene Zeiten für Biertrinker: Die großen Supermarktketten servieren ihren Kunden immer häufiger Premiumbiere zum Schnäppchenpreis. Marken wie Krombacher, Warsteiner und Veltins nehmen sich die Händler gern vor, um mit Kampfpreisen wie 9,99 Euro je 20er-Halbliterflaschen-Kasten zu werben. Inzwischen geht mehr als jede zweite Premiumpils-Flasche im Sonderangebot über die Ladentische, doch der Absatz fällt immer weiter.

Zwar können einzelne Biermarken zulegen - dank neuer Produkte, Verpackung oder Werbung. Der deutsche Biermarkt ist aber 2010 zum vierten Mal in Folge geschrumpft. Der weltweit als Biertrinker bekannte Deutsche schluckt rein rechnerisch nur noch ein kleines Blondes pro Tag. Das addiert sich auf noch 101,8 Liter im Jahr, satte 40 Liter weniger als 1991.

„Die Verbraucher konnten Premium-Biere zu Preisen wie in den 90er Jahren kaufen“, verdeutlicht Veltins-Vertriebschef Volker Kuhl die Aktionen im Handel. Damit fanden sich die letzten Preiserhöhungen einzelner Bauereien, die schon drei Jahre zurückliegen, häufig nicht mehr an den Preisschildern der Regale wieder. Auch die Aktionspreise seien im Durchschnitt um ein Euro abgerutscht.

„2010 war ein wegen des Preisverfalls ernüchterndes Jahr für die deutschen Brauer“, sagt der Chef des Marktführers Radeberger Gruppe, Albert Christmann. Er spricht von „selbstzerstörerischen Preis-Rabattschlachten im Handel“ und „nicht gekannten Wetterkapriolen“. 2010 konnte selbst die erfolgreiche Fußball-WM in Südafrika den nachlassenden Bierdurst im Restjahr nicht ausgleichen. Für 2011 setzt der Deutsche Brauerbund nun auf ein kleines Sommermärchen der Fußball-Frauen im eigenen Land.

Preissteigerungen seien dringend notwendig, um die allseits gestiegenen Kosten zu decken, heißt es vielerorts. Doch bisher will keine Großbrauerei die Preisschraube nach oben drehen. Hopfen und Malz machen ohnehin nur einen geringen Teil des Kastenpreises aus: „Die Rohstoffkosten pro Liter Bier dürften derzeit bei fünf bis sechs Cent liegen“, sagt der Berliner TU-Professor für Brauwesen, Frank-Jürgen Methner. Auf den Kasten bezogen sind das 50 bis 60 Cent. Der Experte sieht den Druck eher steigen durch höhere Energiekosten und neue Brauanlagen. Dies mache auch Billigmarken zu schaffen: „Hier scheint das Ende der Preisskala erreicht. In jüngster Zeit haben wir in diesem Sektor eher Preiserhöhungen gesehen.“

Der Abstand der Preisklassen wird geringer. „Die Schere geht enger zusammen zwischen billig und teuer. Das macht es auch für Billigbier schwieriger“, schildert der Chefredakteur des Getränkemarktmagazins Inside, Niklas Other. Die Premiumbiere setzten nicht nur die mittlere Preislage unter Druck, sondern auch die untere. Vor dem Hintergrund sei auch der Absatzrückgang der führenden deutschen Biermarke Oettinger zu sehen, die jahrelang mit Tiefstpreisen gewachsen sei.

Branchenkenner Other sieht neben Überkapazitäten einen weiteren, gewichtigeren Grund für die zunehmenden und umfangreicheren Aktionspreise: Aus Furcht vor dem Bundeskartellamt, das Handel und Herstellern stärker auf die Finger schaut, sei das Thema Endverbraucherpreise mehr denn je Tabu. Die Brauereien trauten sich nicht, sich beim Handel über zu niedrige Endpreise zu beschweren.

Auf eine steigende Nachfrage braucht die Braubranche ohnehin nicht zu hoffen. Es kämen wenige junge Biertrinker nach und diese würden dann auch noch weniger trinken als ihre Väter, erklärt Horst Zocher, Getränkeexperte der GfK-Marktforscher. Der Brauerbund rechnet allein wegen des Alterungseffekts langfristig mit einem Absatzrückgang von zwei Prozent pro Jahr. Zuwächse könnten Brauereien am ehesten noch mit Mixgetränken erzielen, glaubt Zocher. Auch der Aufbau „junger Marken“ könnte helfen. „Junge Leute wollen sich gerne ein bisschen absetzen und nicht unbedingt das Gleiche trinken wie ihre Eltern.“

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