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Union macht sich Mut - es hätte noch schlimmer kommen können

Wenig Grund zur Freude

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) © Foto: dpa
Mathias Puddig / 24.09.2017, 21:39 Uhr
Berlin (MOZ) Die CDU jubiliert in ihrer großen Verzweiflung. Dass Angela Merkel Kanzlerin bleiben kann, scheint so gut wie sicher. Doch hat ihre Partei das schlechteste Ergebnis seit 1949 erzielt.

In der Parteibasis redet man sich Mut zu. "Es hätte auch schlimmer werden können", sagt ein CDU-Mitglied eine knappe Stunde nach den ersten Prognosen. "Das muss man ja nochmal sagen." Zugleich tritt Angela Merkel auf die Bühne. Die Kanzlerin wird mit "Angie!"-Rufen begrüßt. Die Junge Union, leicht zu erkennen an weißen T-Shirts mit dem Slogan "Voll muttiviert", jubelt noch.

Die Kanzlerin selbst blickt resigniert drein. "Natürlich haben wir uns ein besseres Ergebnis erhofft", sagt sie gleich zu Beginn ihres kurzen Auftritts. "Das ist vollkommen klar." Allerdings habe man die strategischen Ziele erreicht. "Gegen uns kann keine Regierung gebildet werden." Auch dass der Wahlkampf Freude gemacht habe, sagt die Kanzlerin. Ihr Gesicht zeigt diese Freude allerdings nicht.

Das ist auch kein Wunder. Denn trotz der derben Niederlage der Sozialdemokraten geht auch bei der CDU-Wahlparty in Berlin nicht unter, dass die 33 Prozent für die Union ein verheerendes Ergebnis sind. Die CSU erreicht in Bayern das schlechteste Resultat seit 1949. "Es gibt nichts schönzureden", erklärt dann auch Horst Seehofer. Und auch die Gesamt-Union selbst schnitt nur einmal seit Bestehen der Bundesrepublik - 1949 - schlechter ab.

Schon vor 18 Uhr war klar, dass die Schwesterparteien das Ergebnis von der vergangenen Wahl nicht wiederholen können. 2013 verfehlten sie schließlich nur knapp die absolute Mehrheit. Das lag an einer ungewöhnlichen Stärke des Parteienbündnisses. Und es lag daran, dass nur vier Fraktionen im Bundestag saßen. Nun aber geben CDU und CSU gemeinsam mehr als acht Prozentpunkte ab - zum großen Teil an die AfD - und landen wieder auf dem Niveau von 2005, als Merkel nur denkbar knapp Kanzlerin geworden war.

Seehofer glaubt auch zu wissen, woran das liegt. Man habe eine "Flanke auf der rechten Seite, eine offene Flanke" gehabt. Diese Flanke müsse nun geschlossen werden - "mit klarer Kante". Ob das auch das Beharren auf eine Obergrenze einschließt, sagt er nicht. Dabei dürfte auch die Uneinigkeit, die sich an diesem Thema entzündet hat, zum schlechten Wahlergebnis beigetragen haben.

Denn klar ist: CDU und CSU werden zwar im neuen Bundestag die stärkste Fraktion stellen. Dass sich die Mehrheit der Deutschen bei Angela Merkel in guten Händen fühlt, das gilt allerdings nicht mehr. Mehr als jeder Zweite sagte vor der Wahl, zwölf Jahre Kanzlerschaft seien genug. Merkel weiß das. Nicht umsonst erklärt sie bereits in ihrem ersten Statement, dass es wichtig ist, die AfD-Wähler zurückzugewinnen. Und zwar mit guter Politik.

Dass das bislang nicht wirklich gelungen ist, schlägt sich nun jedoch erst einmal im Wahlergebnis nieder. "Wir haben den Regierungsauftrag", erklärt Fraktionschef Volker Kauder dennoch. Auch die Kanzlerin sagt: "Heute ist ein Tag, wo wir sagen können: Wir haben den Auftrag, Verantwortung zu übernehmen."

Um den Auftrag wahrzunehmen, müssen allerdings sowohl FDP als auch Grüne ins Boot geholt werden. Jamaika ist nach diesem Abend die einzige Koalitionsoption, und die Grünen werden sich ihre Beteiligung an dieser Regierung teuer erkaufen lassen. Das weiß man bei der Union. Es beherrscht die Gespräche eher als die Niederlage der Unionsparteien. Innenminister Thomas de Maizière sagt ebenfalls: "Es wird schwer mit den Grünen."

Die Parteimitglieder blicken dem Drei-Fraktionen-Bündnis allerdings nicht nur mit Sorgen entgegen. Als das Fernsehen zu den Grünen schaltet, schauen so einige im Adenauer-Haus gar nicht mehr traurig. Sie blicken eher zufrieden: Dass sie mit den Grünen regieren können. Dass die große Koalition vorbei ist. Und dass die SPD die Oppositionsführerschaft übernimmt - nicht die AfD.

Auch Merkel will an diesem Abend für gute Stimmung sorgen. "Um die Jugend muss uns nicht bange sein", sagt sie mit Blick auf die Junge-Union-Jubler, die den Saal vor ihr ausfüllen. Und sie verspricht, später am Abend wiederzukommen. "Dann feiern wir noch ein bisschen." Auch die Kanzlerin signalisiert: Es hätte tatsächlich noch schlimmer kommen können.

Interessant wird nun vor allem, wie sich die Stimmung in Bayern dreht. Seehofer selbst könnte durch das Ergebnis in Bedrängnis kommen, hat er doch einen Landtagswahlkampf vor sich. Und ob der bayerische Ministerpräsident sich nun auf Jamaika einlassen möchte oder vielleicht lieber auf Neuwahlen setzt, das kann derzeit noch keiner so richtig genau sagen.

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