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Andreas Schmidt ist mit 53 Jahren in Berlin gestorben

Der Schauspieler Andreas Schmidt ist tot. Er wurde 53 Jahre alt.
Der Schauspieler Andreas Schmidt ist tot. Er wurde 53 Jahre alt. © Foto: dpa
Uwe Stiehler / 29.09.2017, 10:54 Uhr - Aktualisiert 29.09.2017, 19:48
Berlin (MOZ) „Wenn mein Gesicht doch noch so glatt wäre wie mein Arsch.“ „Da haste Deinen Arsch aber lange nicht mehr gesehen, Helene.“ Das ist einer der vielen knackigen Dialoge aus Andreas Dresens Film „Sommer vorm Balkon“, in dem sich Nike (Nadja Uhl), die eigentlich Schneiderin ist, als Altenpflegerin durchschlägt. Nike verliebt sich in Ronald, einen Brummifahrer, der in ihr Leben poltert. Ronald ist ein ruppiger Schlacks, ein chaotischer Charmeur, ein Windhund, eine Mischung aus Münchhausen und Casanova – aber auch ein Typ, mit dem man gerne mal eine Nacht in der Kneipe versacken würde. Gespielt hat ihn Andreas Schmidt. Als Ronald war er zum Niederknien gut. Als sympathischer Spinner und als aus dem Leben gefallener Chaot hat man ihn seitdem immer wieder bewundern können. Er war Horst Krauses derangierter Kumpel Schlunzke in der „Krause“-Reihe und spielte diesen Typen nicht entblößend, sondern mit viel Wärme als melancholischen Clown und ein bisschen als die brandenburgische Antwort auf Don Quijote. Auch Schlunzke war ein verdrehter Ritter von trauriger Gestalt.

Dabei ist Schmidt nur ein eingekaufter Märker. Geboren wurde er 1963 im nordrhein-westfälischen Heggen, aufgewachsen ist er im Märkischen Viertel in West-Berlin. Er probierte sich als Rockmusiker aus, studierte Germanistik und Philosophie, nahm Schauspiel- und Regieunterricht. Er mochte diese Zweigleisigkeit, hat nicht nur im Theater und fürs Fernsehen gespielt, sondern immer wieder selbst inszeniert – auch in Berlin.

Er besaß die Gabe, mit seinen Auftritten Filmen das Besondere Etwas zu schenken – ob nun in „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ oder in der Heinz-Strunk-Adaption „Fleisch ist mein Gemüse“, in der er den Stimmungssänger Gurki spielt, der ziemlich rau sein kann unter seinem rosafarbenen Seidenanzug und auch irgendwie in die Kategorie „armes Würstchen“ gehört. Aber auch diese Figur spielte Schmidt nicht entblößend, nicht als bedauerlichen Witz, sondern mit einem Rest an Würde – und ist für diese Rolle mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet worden.

Er sagte einmal, sein Äußeres, die schlaksige Figur und die abstehenden Ohren, wäre für eine Karriere als Schauspieler nicht hinderlich gewesen. „Ein bisschen außergewöhnlich“ auszusehen, das hätte ihm genützt.

Am Donnerstag ist Andreas Schmidt im Alter von 53 Jahren nach längerer Krankheit in Berlin gestorben. Das teilte seine Agentin am Freitag mit. Er hinterlässt eine Frau und einen neunjährigen Sohn.

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