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Große Präsentation des Landes in London / Ministerpräsident Woidke bekräftigt Willen zur Zusammenarbeit

Brandenburg bittet zur Teestunde

Anlässlich der Brandenburger Präsentation in London hatte die Garde der Queen die „Langen Kerls“ aus Potsdam zu einer gemeinsamen Exerzierübung in Sichtweite des Buckingham-Palasts eingeladen.
Anlässlich der Brandenburger Präsentation in London hatte die Garde der Queen die „Langen Kerls“ aus Potsdam zu einer gemeinsamen Exerzierübung in Sichtweite des Buckingham-Palasts eingeladen. © Foto: Staatskanzlei/ Frank Gorges
Hendrik Bebber / 07.10.2017, 06:45 Uhr
London (MOZ) "Lange Kerls" und ein ebenso langes Rolls-Royce Triebwerk unterstrichen in dieser Woche in London das Ziel Brandenburgs, sich in der britischen Metropole als "modernes, leistungsfähiges und zukunftgewandtes, aber auch traditionsbewusstes Bundesland zu präsentieren."

Zwei Tage lang versuchte  Ministerpräsident Woidke mit fast seinem ganzen Kabinett, Mitgliedern des Landtags und einem beachtlichen Aufgebot aus Wirtschaft, Kultur, Fremdenverkehr und Sport den Gastgebern klarzumachen, dass "Brandenburg-Just my Cup of Tea" sei. Dieses Motto entspricht dem deutschen "Brandenburg ist genau mein Fall."

Doch im Schatten des Brexit wäre "Abwarten und Tee trinken" vielleicht passender gewesen. So kann niemand sagen, wie der bisher vom Erasmus Programm der EU finanzierte Jugendaustausch zwischen Großbritannien und Brandenburg sich künftig weiter entwickeln wird. Vorläufig jedoch bleibt der Ball beim Straßenfußball-Turnier zwischen jungen Brandenburgern und Londonern voll im Spiel. Ebenso am Ball bleiben die Cottbuser OSZ-Schüler die ihre Projektarbeiten vorstellten, welche während eines dreiwöchigen Aufenthalts am European College for Business and Management in London entstanden.

Dies sind nur zwei Beispiele für die rege Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und wissenschaftlichen Instituten. Wie auch immer die Verhandlungen um den Brexit enden werden, Woidke bekräftigte als Gastgeber der Einheitsfeier in der deutschen Botschaft: "Brandenburg will ein enger Partner von Großbritannien bleiben."

Geld und Ideen trieben einst den in Großbritannien bekanntesten Brandenburger Hermann Fürst von Pückler-Muskau auf die Insel. Eine Ausstellung und ein Film erinnern im Rahmen der Präsentation an den Mann, der zunächst als Mitgift-Jäger vergeblich in England eine reiche Frau gesucht hatte, dort aber die Inspiration für seine Landschaftsparks in Cottbus-Branitz und Potsdam-Babelsberg bekam.

Nach der deutschen Einheit war es schnell zu einer lukrativen Vernunftehe zwischen britischer und brandenburgischer Wirtschaft gekommen. Mehr als drei Dutzend britische Firmen haben bislang in der Mark investiert. Und an die 270 Unternehmen aus der Mark unterhalten enge Geschäftsbeziehungen mit dem Königreich.

Davon profitiert auch Marvin Magull. Der 24-jährige Azubi blickt stolz auf das technische Wunderwerk, an das er selbst Hand angelegt hatte. "Ich habe bei Rolls Royce in Dahlewitz meinen Traumberuf gefunden," freut er sich beim Anblick des Triebwerkes, das im Halteverbot vor der Botschaft geparkt wurde. Mit ihm arbeiten 2200 Personen in der Fertigungsanlage.

Unternehmenssprecher Stefan Wriege ist mächtig stolz auf seine jungen Leute, macht sich aber leichte Sorgen, was die Zukunft bringen wird. Wie die Komponenten kommen auch die Mitarbeiter dank des EU-Binnenmarktes und der Freizügigkeit aus aller Herren Länder. Es ist für Wriege unvorstellbar, wie sich der Personen- und Geschäftsverkehr nach dem 29. März 2019 entwickelt, wenn sich das Mutterland von Rolls-Royce aus der EU zurückziehen wird.

Brandenburg indessen setzt voll auf Expansion in den wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Ein Schwerpunkt ist die Medienwirtschaft vom Film bis zur IT-Branche. Der MediaTech Hub Potsdam suchte in London nach Geschäftsverbindungen und kreativen Austausch. Dazu gab das Filmorchester Babelsberg die musikalische Umrahmung.

Nur monotoner Trommelschlag begleitete dagegen die "Leistungsschau" der "Potsdamer Langen Kerls, die sich mit den britischen Gardegrenadieren maßen und diese trotz deren Bärenfellmützen leicht überragten. In der Geschichte des preußischen Regiments hält freilich der britische Untertan James Kirkland mit seinen 217 cm den absoluten Rekord.

Zur Sympathiewerbung in London kamen auch Vertreter der britischen Regierung. Diese könnten bei ihrer Verhandlungsstrategie in Brüssel durchaus einen Rat Fürst Pücklers beherzigen: "Um sich aber Ausnahmen zu erlauben, muss man mit den Regeln desto vertrauter sein".

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