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Russlands Staatschef wird 65 / Sichere Wiederwahl im kommenden März erwartet

Putin-Pizza zum Geburtstag

Der russische Präsident Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin © Foto: dpa
Stefan Scholl / 07.10.2017, 08:16 Uhr
Moskau (MOZ) Putin selbst gibt sich mal wieder asketisch. Auf die Frage, wie er seinen Geburtstag begehen wolle, ließ sein Pressesprecher durchblicken, es werde wohl kaum gefeiert. "Arbeitsmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen."

Wladimir Putin wird an diesem Sonnabend 65. Russland gratuliert durchaus eifrig. Tschetschenenchef Ramsan Kadyrow veranstaltet in Grosny ein Fußballspiel. In Moskauer Haus der Poeten eröffnet eine Ausstellung zu Putin. Auch von Künstlern gestaltete Putin-T-Shirts werden vorgestellt. Putin ist schließlich Kult in Russland. Und die staatliche Agentur Tass verkündet stolz, eine Pizzeria in Washington biete zur Feier des Tages eine spezielle 22,50 Dollar-Pizza an: "Hot like Putin."

Aber vor allem hagelt es politische Geschenke, von Freund und Feind. Der selbsterklärte Präsidentschaftskandidat Alexei Nawalny, gerade wieder zu einem 20-Tage-Arrest verdonnert, rief seine Anhänger auf, Putin an seinem "Rententag" mit Massenprotesten in ganz Russland zu gratulieren. Und nachdem die Sicherheitsorgane am Donnerstag zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Aktivisten der Oppositionsbewegung Offenes Russland veranstaltete, twitterte deren Führer Michail Chodorkowski erbost aus dem Londoner Exil: "Festvorbereitungen für Putins Jubiläum."

Tatsächlich vermerken Beobachter, Putin habe in den vergangenen Jahren immer mehr Höflinge um sich versammelt, die ihr Tagwerk vor allem seiner guten Laune widmeten. Aber die Mehrheit der oppositionellen Experten hält die neuen Repressalien für Routine. "Das Regime benötigt inzwischen ein bestimmtes Niveau von Gewaltmaßnahmen, um seine Macht zu sichern", erklärt der Politologe Juri Korgonjuk. Nawalny mit seinen Wahlkampfdemos verdrieße Putin, nicht weil er ihm den Geburtstag verderbe. Sondern weil er vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden März die eigentlich schon tot geglaubte Straßenopposition wieder auf die Beine gebracht habe.

Niemand in Russland zweifelt daran, dass Putin im März wiedergewählt wird. Auch wenn er 65 Jahre alt ist. Und Russlands Männer schon mit 60 Jahren in Rente gehen. Aber Putin gilt als topfit - nur sein Weltbild scheint langsam zu verknöchern.

Auch Putins Apparat hat Geschenke für ihn: Schon im September brachte ein anonymer Kremlbeamte gegenüber der Zeitung Wedomosti Xenia Sobtschak als Putins "ideale Gegenkandidatin" ins Rennen. Sobtschak, 35, It-Girl und TV-Moderatorin, profilierte sich neben Nawalny als eine der Führerinnen der liberalen Straßenproteste 2012. Andererseits ist sie die Tochter Anatoli Sobtschaks, des früheren Bürgermeisters von Sankt Petersburg, dem Putin bis zu dessen Tod treu diente. Keine wirkliche Feindin, eher eine Sparringspartnerin. Nawalny beschimpfte Sobtschak schon als "Spoilerkandidatin des Kremls". Sie selbst dementiert lahm.

Ein weiteres Geschenk für Putin wird im Dezember erwartet, von der Zentralen Wahlkommission: Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass sie Nawalnys Kandidatur ablehnen wird.

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