Das Nachrichtenportal für Brandenburg

CSU-Chef Seehofer unter wachsendem Druck

Das Endspiel des großen Vorsitzenden

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) © Foto: dpa
Patrick Guyton / 12.10.2017, 20:27 Uhr
München (MOZ) Wann ist der richtige Moment für den guten Abgang? Und wann der für die Revolte? Das sind Fragen, die in der CSU schon seit Langem aufgeworfen werden.

Vieles spricht dafür, dass Horst Seehofer den richtigen Moment verpasst hat - spätestens seit er Ende April erklärte, dass er doch in seinen Ämtern als Ministerpräsident und Parteivorsitzender weitermacht bis über 2018 hinaus. "Mit 51 zu 49" in seinem Inneren sei diese Entscheidung schließlich gefallen, sagte er.

Seehofer hat etwas Monarchisches an sich, und die vielen Figuren neben, hinter und unter ihm erscheinen wie ein ewig zankender, intrigierender Hofstaat. Doch werden die Attacken auf den großen Vorsitzenden härter und direkter - beinahe von Tag zu Tag. So hat es eine neue Qualität, dass sich der CSU-Bezirksverband München nun fast geschlossen gegen Seehofer stellt. Denn diesen Verband führt Kultus- und Bildungsminister Ludwig Spaenle, einer der wichtigsten Minister im Kabinett. Und ein "Best Friend" von Seehofer-Rivale Markus Söder.

Zufall kann das nicht sein, vielmehr sieht es nach einer sehr kalt kalkulierten Taktik aus, wie Seehofer jetzt von Widersprechern und Widersachern eingekreist wird. Erst waren es ein paar Ortsverbände, die nach der mit 38,8 Prozent verlorenen Bundestagswahl personelle Konsequenzen forderten. Sollte davon eine Erosion des großen Seehofer-Reiches ausgehen? Doch Stunden später folgten zwei Landtagsabgeordnete, die hinter Söder stehen, und einer aus dem Bundestag. Gefolgt von zwei Staatssekretären im bayerischen Kabinett, Albert Füracker (aus Söders Finanzministerium) und Georg Eisenreich (tätig im Kultusressort unter Ludwig Spaenle). Eine erste Welle war das, Seehofer polterte.

Ein kurzer Waffenstillstand wurde geschlossen, als der Parteichef nach Berlin fuhr und mit Angela Merkel den Asyl-Kompromiss der Union aushandelte. Seehofer flötete da ganz unschuldig, es gehe in der Partei nur "gemeinsam, nicht einsam". Doch Zeit wird Seehofer nicht gegönnt. Es geht mittlerweile ganz konkret um Jobs, politische Existenzen, um Aufstiegsposten in einem neuen Kabinett und einer neuen Fraktion nach der Landtagswahl im Herbst 2018. Wer verliert, hat keine große Zukunft mehr.

Und nun der Bezirksverband München, einer von insgesamt zehn im Freistaat. Acht der neun Kreisvorsitzenden trafen sich und waren sich einig, dass die Flüchtlingspolitik und Seehofers Zickzackkurs die Wahlniederlage verschuldet haben. Ein "personeller Neuanfang" sei nötig. Der Bezirksvorsitzende Spaenle ist mit Söder schon seit den Zeiten in der Jungen Union befreundet, er ist Taufpate eines Söder-Sohnes. Einer wurde von der Runde außen vor gelassen: Markus Blume, Kreisvorsitzender in München-Ost, Landtagsabgeordneter, Chef der CSU-Grundsatzkommission - und ein Seehofer-Mann. Er nannte die Aktion der Parteifreunde einen "Hinterhalt".

Die Bezirke sind Machtzentren in der Partei, Söder ist in einigen präsent. Die Frage für ihn lautet: Schafft er es bis zum Parteitag im November, dass Seehofer nicht mehr antritt oder in einer Kampfkandidatur bezwungen werden kann? Seehofer hat noch einen Trumpf: die Zweifel an Söders Qualitäten. Wie will der, der sich ganz dem Freistaat verschrieben hat und um Berlin einen Bogen macht, ernsthaft dort verhandeln? Ministerpräsident könnte Söder eher nicht.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG