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"Beide Seiten sollten einen Weg finden"

Shimon Stein, damaliger israelischer Botschafter in Deutschland
Shimon Stein, damaliger israelischer Botschafter in Deutschland © Foto: picture alliance / dpa
Stefan Kegel / 07.12.2017, 06:50 Uhr
Berlin (MOZ) Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, sieht den Vorstoß Donald Trumps zu Jerusalem kritisch. Mit ihm sprach Stefan Kegel.

Herr Stein, was halten Sie als Israeli von der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Ihres Landes anzuerkennen?

Viele Israelis werden sich freuen, von den USA diese Anerkennung zu bekommen. Schon seit er im Amt ist, hat Donald Trump angekündigt, die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen zu wollen, hat die Entscheidung aber dann verschoben. Ich sehe keinen dringenden Grund, dass er Jerusalem gerade jetzt als Hauptstadt anerkennt.

Welches Risiko sehen Sie darin?

Ein Risiko würde ich es nicht nennen. Aber mir stellt sich die Frage, ob solch eine Ankündigung für den nahöstlichen Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern hilfreich ist. In den USA steht Ende des Jahres ja auch eine grundsätzliche Entscheidung darüber bevor, ob sie den Friedensprozess auf einem guten Weg sehen. Präsident Trump hat einige Ideen - die von europäischen Ideen und denen seines Vorgängers Barack Obama abweichen -, die nicht in eine Zwei-Staaten-Lösung münden würden.

Ist die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung - ein Staat Israel und ein Staat Palästina - damit tot?

Nein. Für uns Israelis gibt es gar keine andere Option als eine Zweistaaten-Lösung. Eine Ein-Staat-Lösung würde den jüdischen und den demokratischen Charakter unseres Landes untergraben. Und wenn es nicht bald eine Einigung gibt, dann wird es für Israel Zeit, sich von den Palästinensern abzugrenzen und den Bau jüdischer Siedlungen außerhalb der Mauer zu stoppen. Diese Trennung kann Israel auch schon vollziehen, bevor eine Zwei-Staaten-Lösung erreicht ist.

Ist Jerusalem als Hauptstadt in einem Zwei-Staaten-Modell denn denkbar?

Für mich als Israeli ist es zwar wichtig, dass Jerusalem die Hauptstadt ist. Aber wenn wir eine Zwei-Staaten-Lösung erreichen wollen, dann sollten auch die Palästinenser einen Teil Jerusalems als Hauptstadt haben. Beide Seiten sollten einen Weg finden, sich darüber zu einigen.

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