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Kurzer Rausch arabischer Empörung

Martin Gehlen
Martin Gehlen © Foto: Katharina Eglau
Martin Gehlen / 07.12.2017, 20:09 Uhr
Berlin (MOZ) Donald Trump ist verliebt in Superlative. Für ihn selbst ist er der mutigste Politiker, den es je gab, der auch heiße Eisen anpackt, von denen alle seine Vorgänger die Finger ließen. Und so machte er nun Ernst und erkannte als erster amerikanischer Präsident Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Mit Planung und Bau der neuen US-Botschaft solle sofort begonnen werden in dieser neuralgischen Stadt, die von zwei Völkern und von drei Religionen beansprucht wird.

Politisch hätten die USA diesen Paukenschlag nie riskiert, wenn sie nicht Saudi-Arabien und Ägypten hinter sich wüssten. Denn für Riads junge Garde unter Kronprinz Mohammed bin Salman steht längst nicht mehr der altbackene Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Mittelpunkt, sondern die totale Konfrontation mit dem Erzfeind Iran. Hier weiß sich Riad mit den USA im Bunde, hierfür möchte man Israel als Kampfpartner gewinnen. Als Preis dafür ist das Königshaus bereit, die Hoffnungen der Palästinenser auf einen eigenen Staat unterzubügeln. Deren Führung konfrontierte Riad mit einem Friedensplan, den Mahmud Abbas als Schlag ins Gesicht empfand. Als Territorium bliebe ihm ein Flickenteppich. Die meisten jüdischen Siedlungen würden nicht angetastet. Und zur Hauptstadt ausgerufen würde ein Örtchen vor den Toren Ost-Jerusalems. Im Gegenzug versprach der Thronfolger, Milliarden lockerzumachen.

Denn die Saudis wie die meisten anderen arabischen Staaten haben die palästinensische Sache längst aufgegeben. Umgekehrt regiert in Israel eine stramm nationale Regierung, die mit ihrer Siedlungspolitik alles tut, um die Zwei-Staaten-Lösung zu verbauen, und die sich mit dem Jerusalem-Geschenk am Ziel sieht.

Aber auch die dramatische Selbstzerstörung der arabischen Welt haben die Relationen verschoben. Wer von Israel als einem Apartheid-Staat redet, kann nicht gleichzeitig dem Massenmörder Assad huldigen, dem Umgang des Despoten Erdogan mit der kurdischen Minderheit applaudieren oder die brutale Unterdrückung aller Andersdenkenden durch den ägyptischen Diktator al-Sisi als Kampf gegen den Terror preisen. Ganz zu schweigen von dem zivilisatorischen Bankrott durch den IS. Jetzt eint für einen Moment Jerusalem alle Völker und Potentaten des Nahen Ostens. Doch der bequeme Rausch der kollektiven Empörung wird bald verfliegen. Und die selbstkritische Bilanz über den eigenen Anteil am Scheitern der Palästinenser und am Scheitern der gesamten Region weiter auf sich warten lassen.

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Steffen Michael 08.12.2017 - 19:14:52

Sinnfreie Aktion!

Ich denke es gibt in Palästina genug Nationalisten auf beiden Seiten, die ein friedliches Zusammenleben auf Jahre weiter behindern werden und beide Völker in Geiselhaft nehmen. Wenn Trump etwas Großes hätte leisten wollen, hätte er die zukünftige Botschaft in Jerusalemer für beide Seiten geöffnet. So ist sein blinder Aktionismus nur die Tat eines dummen Menschen, welche unnötig weitere Leben fordern wird.

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