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Ringen ums Image: Öko-Firma Hess Natur vor Verkauf

Ein Verkaufsladen der Öko-Firma Hess Natur in Butzbach, wo sich auch die Zentrale des Unternehmens befindet. Noch um Juni soll der Ökomode-Hersteller verkauft werden.
Ein Verkaufsladen der Öko-Firma Hess Natur in Butzbach, wo sich auch die Zentrale des Unternehmens befindet. Noch um Juni soll der Ökomode-Hersteller verkauft werden. © Foto: dpa
04.06.2011, 18:38 Uhr
Butzbach (DPA) Genossenschaft gegen Finanzinvestoren: Knapp zwei Jahre nach der Arcandor-Pleite steht die einstige Tochter Hess Natur kurz vor dem Verkauf. Für den Ökomode-Hersteller aus dem mittelhessischen Butzbach interessieren sich nach dpa-Informationen knapp ein halbes Dutzend Bieter. Seit der Insolvenz des Essener Warenhauskonzerns Arcandor („Karstadt“, „Quelle“) im Sommer 2009 wird um die Zukunft der Hess Natur-Textilien GmbH gerungen - nach eigenen Angaben heute Europas größtes Versandhaus für Naturtextilien. Aber welcher Investor passt zu dem Öko-Hersteller? Der Betriebsrat hat Angst vor „Heuschrecken“ und will das Unternehmen kurzerhand selbst übernehmen: mit einer eigens dafür gegründeten Genossenschaft.

Über Monate hatte es Gerüchte gegeben, jetzt soll alles ganz schnell gehen. „Wir gehen davon aus, dass noch im Juni der neue Eigentümer feststeht“, sagte ein Sprecher des Eigentümers Primondo Specialty Group (PSG) aus dem insolventen Arcandor-Konzern.

Seit 1976 verkauft das Unternehmen Kleidung aus Biobaumwolle und anderen Naturfasern. Hess Natur wirbt für „giftfreie und fair produzierte Mode“. Das Geschäft laufe gut, sagt ein Sprecher der Hess Natur-Textilien GmbH. 320 Angestellte und 700 000 Kunden zählt das Unternehmen.

Mit seinen 60 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr ist Hess Natur nicht nur für Investoren aus der Öko-Branche interessant. Der Kaufpreis wird auf 25 Millionen bis 30 Millionen Euro beziffert. Unter den Bietern sollen auch Finanzinvestoren sein, denen nachgesagt wird, weniger an Nachhaltigkeit und mehr an Profit interessiert zu sein.

Die globalisierungskritische Organisation Attac hatte im Februar zum Boykott des Öko-Herstellers aufgerufen, falls der US-Investor Carlyle Group den Zuschlag bekommen sollte. Attac sammelte damals nach eigenen Angaben 10 000 Unterschriften - offenbar mit Erfolg: Medienberichten zufolge ist Carlyle nicht mehr an einer Übernahme interessiert. Der Investor kommentierte das nicht.

Aus dem Unternehmen heißt es, nach Carlyle sei auch ein anderer riskanter Investor interessiert. „Wir sind höchst besorgt“, sagte Christina Pöttner vom Hess-Natur-Betriebsrat. Der Eigentümer PSG beschwichtigt: „Alle Bieter, die nicht zu Hess Natur gepasst hätten, sind mittlerweile ausgeschieden.“

In Unternehmenskreisen kursiert die Zahl von fünf verbleibenden Bietern. Kriterien für die Übernahme sind laut PSG der Kaufpreis, aber auch eine Unterstützung der ökologischen und sozialen Standards, „weil die der Erfolgsfaktor von Hess Natur sind“. Der Verkaufserlös soll Geld in die Kasse für die Karstadt-Quelle Pensionäre spülen.

Der Hess-Natur-Betriebsrat hofft, dass künftig eine Genossenschaft das Sagen im Unternehmen haben wird und macht damit Werbung in eigener Sache: Im März wurde die Genossenschaft „Hngeno“ gegründet, die jetzt auch für Hess Natur bieten will. „Wir geben ein qualitativ gutes Angebot ab“, sagte Walter Strasheim-Weitz, Betriebsratschef von Hess Natur und Vorstand der „Hngeno“.

Nach seinen Angaben haben sich bereits 3000 Männer und Frauen der Genossenschaft angeschlossen. 1200 von Ihnen kauften schon Anteile für mindestens 250 Euro. Damit fühlt sich die Genossenschaft gut gewappnet für eine Übernahme: „Wir haben die Legitimation der Hess-Natur-Kunden, die die anderen nicht haben“, sagte Strasheim-Weitz. Das Ringen ums Image der Öko-Firma geht weiter.

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