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Streit um Folgen des demografischen Wandels

Berlin (moz) Wenn das Statistische Bundesamt Recht behält, dann stellen in 50 Jahren die 70 bis 75-jährigen die größte Gruppe der Gesellschaft. Von der demografischen Zeitbombe ist vielfach die Rede. Doch in der Diskussion über den demografischen Wandel taucht auch Optimismus auf.

  Senioren am Computer: Sie werden in 50 Jahren die Mehrzahl der Bevölkerung ausmachen. © dpa

Von ANDRÉ BOCHOW

Für Albrecht Müller ist die Sache klar: Die Alterung der deutschen Bevölkerung wird als Propagandamittel zur Unterminierung der gesetzlichen Rente genutzt, was wiederum den privaten Versicherern zugute kommt und kommen soll. Auf seinen Internet-„NachDenkSeiten“ setzt sich der ehemalige Leiter der Planungsabteilung im Kanzleramt unter den Kanzlern Brand und Schmidt immer wieder mit dem, was er „Reformlügen“ nennt, auseinander. Müller erinnert daran, dass „wir hierzulande 2050 immer noch mehr Menschen sein werden als im Jahr 1950“. Man müsse auch wissen, „dass die Alterung im letzten Jahrhundert viel gravierender war als in der vor uns liegenden Zeit“. Ob der Generationenvertrag funktioniere, so der streitbare Publizist, hänge davon ab, „ob die Menschen Arbeit haben, wie hoch die Erwerbsquote ist und ob sie produktiv arbeiten“.

Die Arbeitsproduktivität halten auch hochrangige Wissenschaftler im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung für wesentlich. Andere sehen eher den ökonomischen Abstieg kommen. In einer Sitzung der Bundestags-Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ wurde über den Zusammenhang von Produktivität und Alterung der Gesellschaft kontrovers diskutiert. Der Volkswirtschaftler Norbert Reuter rechnet mit einem steigenden Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, so dass es in Zukunft „nicht weniger, sondern deutlich mehr zu verteilen“ gibt. Meinhard Miegel, Sozialwissenschaftler und ebenfalls Sachverständiger in der Kommission, teilt diesen Optimismus nicht. Erstens würde der Produktivitätsfortschritt „demografiebedingt“ nur noch zur Hälfte zum Wirtschaftswachstum beitragen. Zweitens fürchtet Miegel die qualitativen Veränderungen, die eine alternde Gesellschaft durchlebt. Die über 45-Jährigen würden ihr Verhalten gegenüber Fortschritt und Wirtschaftswachstum verändern. „Sie könnten zwar noch, wollen aber häufig nicht mehr. Für sie gibt es Wichtigeres und Interessanteres im Leben als die Mehrung des Bruttoinlandsproduktes.“ Mit der wachsenden Gruppe der Älteren, so Miegel, würde möglicherweise der gesellschaftliche Wettbewerb abnehmen. Dies führe unter Umständen zu dem „paradoxen Effekt“, dass die Menschen zwar weniger konsumieren würden, trotzdem aber eine bessere Lebensqualität verspüren.

Laut Norbert Reuter könnte es sogar gut sein, dass insgesamt in Zukunft nicht weniger, sondern mehr erwirtschaftet wird, nämlich dann, wenn die Erwerbstätigenproduktivität wie in den letzten zehn Jahren zunimmt. Da Reuter von einem steigenden Pro-Kopf-Produkt ausgeht, fragt er sich, ob es „angebracht“ war, schon heute das Renteneintrittsalter auf 67 anzuheben.

Auf noch einen ganz anderen Aspekt wies in der Kommissionssitzung der ehemalige FDP-Politiker und jetzige Sachverständige Karl-Heinz Paqué hin. Er meint: in Zeiten des Fachkräftemangels wachse der Wille zu technischen Neuerungen und es wären Produktivitätsschübe zu verzeichnen. Das sei, so Paqué. historisch belegt.

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