Tatsächlich mischten die am 1. und 2. Januar 1984 das Licht der Welt erblickenden Sender Sat. 1 und RTL die deutsche Fernsehlandschaft gehörig auf. Nur dauerte es eine Weile. Denn die Anfänge in Ludwigshafen und Luxemburg waren bescheiden und fast ohne Zuschauer.
Die Wende kam erst einige Jahre später, als die Privaten mit nackten Brüsten, jeder Menge Soaps und Talks, mit Skandal- und Krawallfernsehen die Bildschirme eroberten und sich damit ins öffentliche Bewusstsein schoben. Da brachten sie die Verhältnisse wirklich zum Tanzen. Aber Geist und Moral? Na ja.
Hat zuvor jemand über Quote gesprochen? Jetzt wurde sie zum Maß der Dinge. Der am Nachmittag öffentlich ausgetragene Beziehungsstreit, die Selbstentblößung im Big-Brother-Container, der Ekelfaktor im Dschungelcamp - sie brachten Zuschauer, die sich unterhalten fühlten und im Dargebotenen ein wenig, oder auch mehr, von sich selbst erkannten.
Es war aber nicht nur Banal- oder Peinlichkeits-TV dabei. Eine Sendung wie "ran" zum Beispiel hat die Sportberichterstattung revolutioniert. Leute wie Schmidt, Raab oder Jauch, die komplette Comedy-Szene wären ohne die Privaten kaum denkbar.
Und die Öffentlich-Rechtlichen? Die fühlten sich herausgefordert und glichen sich der Konkurrenz in Teilen an. Die Privaten sind ihnen auf die Pelle gerückt, ohne sie freilich zu überholen. Qualitätsunterschiede sind allerdings nur noch schwer auszumachen. Sie differieren nach Sendung und Formaten.
Im Kampf um die Zuschauer indes bleiben die Privaten die innovativeren. Was nicht verwundern muss, da sie doch ihr Geld am Markt stets aufs Neue verdienen müssen. Während ARD und ZDF über Milliarden an Gebühren bestimmen; Einnahmen, zu denen auch jene beitragen, die ihr Angebot gar nicht wahrnehmen.