Aus der Geschichte heraus lässt sich erklären, warum bei der Überwindung des indoktrinären DDR-Bildungssystems das Pendel in das andere Extrem umschlug. Schule wurde zum Teil als ein unverbindliches Angebot betrachtet, aus dem nach Gusto aus- und abgewählt wurde. Wertevermittlung war verpönt. Diese Phase ist überwunden und Fehler der 90er Jahre werden korrigiert. Beispielsweise indem verbindlichere Lernziele definiert werden. Gleichzeitig ist es notwendig, den Schulen selbst mehr Spielraum zu geben. Natürlich entsteht so ein Balanceakt, der neue Widersprüche aufwerfen kann. Diese gilt es konstruktiv aufzulösen. Das ist möglich, wenn den Lehrern nicht das Gefühl vermittelt wird, einerseits am Gängelband der Schulämter zu hängen und andererseits Sündenbock der Gesellschaft zu sein.
In den letzten Jahren konzentrierte sich das Augenmerk mit der Einführung des zwölfjährigen Abiturs und der Schaffung der Oberschule auf die höheren Jahrgänge. Gleichzeitig wurde der Bildungsauftrag der Kitas gestärkt. Folglich gerieten die Grundschulen aus dem Blickfeld. Hier muss in den kommenden Jahren angesetzt werden. Die Förderung in diesem Bereich sollte verstärkt werden und die Rückkehr zum Diktat und zur Klassenarbeit kann mehr Vergleichbarkeit herstellen. Das Hin- und Herspringen, je nachdem welche PISA- oder sonstige Studie gerade wieder Schwächen offengelegt hat, mag misslich erscheinen. Aber systematische Bauarbeiten wie bei einer Autobahn sind in der Bildungspolitik nicht möglich. Vielmehr gleicht die Schule einer Dombauhütte, die immer rundherum wandert, ohne fertig zu werden.