Die Krankheit ist beherrschbar geworden, führt nicht mehr zwingend zum Tode. Doch in dem Maße, wie sich die Zahl der Neuinfektionen in den entwickelten Ländern auf einem niedrigen Niveau eingependelt hat, ist das Thema aus der Öffentlichkeit verschwunden oder hat deutlich an Priorität verloren. Forscher, behandelnde Mediziner, ehrenamtliche Initiativen kämpfen um Geld. Deutschland kann mehr, fordert zum Beispiel die hiesige Aids-Hilfe - hat dabei aber vor allem die globale Entwicklung im Blick.
Denn noch immer sterben weltweit pro Jahr mehr als eine Million Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids. Mehr als zwei Millionen Neuinfizierte kommen jährlich hinzu. Regionale Schwerpunkte sind Osteuropa und vor allem das östliche und südliche Afrika, wo insbesondere Mädchen und junge Frauen betroffen sind. Die Zahlen sind zwar im Vergleich etwa zu 2010 zurückgegangen, aber nun stagnieren sie. Und wie Experten jetzt auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban warnten, droht sich die Entwicklung wieder umzukehren, wenn neue Impulse ausbleiben.
Im Juni drückte die Staatengemeinschaft ihren Willen aus, Aids bis zum Jahr 2030 zu besiegen. Ein ehrgeiziges Ziel, wenn gleichzeitig die bereitgestellten Mittel zurückgefahren werden. Standen 2013 noch 9,7 Milliarden Dollar von internationalen Gebern zu Verfügung, so waren es 2015 nur noch 8,1 Milliarden Dollar. Für die Deutsche Aids-Hilfe stehen damit die Erfolge der vergangenen 15 Jahre auf dem Spiel.
Auf ein Heilmittel oder eine Impfung zu setzen, steht dabei nicht im Vordergrund. Zwar wird intensiv weltweit geforscht, doch ob und wann ein solches Mittel zur Verfügung steht, kann niemand seriös voraussagen. Und selbst wenn eines Tages beispielsweise eine Impfung möglich wäre, verweisen Experten auf den Kampf gegen Polio, wo es trotz eines wirksamen Serums Jahrzehnte gedauert hat, bis die Krankheit als ausgerottet gelten konnte. Im Fokus der Tagespolitik müssen daher Prävention und Prophylaxe stehen.
Prävention heißt Informieren und Aufklären, bedarf also einer gesellschaftlichen Organisation und Stabilität; Voraussetzungen, die in Staaten ganz unterschiedlich gegeben sind, und gerade dort am häufigsten fehlen, wo sie am dringendsten nötig sind. Wo Krankheit mit Ächtung und Ausgrenzung einhergeht, ist dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt. Erfreulich sind Fortschritte in der Prophylaxe; der finanzielle Aufwand für wirksame Medikamente dürfte aber gerade die Möglichkeiten afrikanischer Krisenländer bei Weitem übersteigen. Der Kampf gegen Aids ist noch lange nicht gewonnen.