Der Mann kann und will sich nicht ändern, aber die Verhältnisse, die sind nicht so wie einst. Die Linke, zumindest deren ostdeutsche Hälfte, sieht Oskar Lafontaine nicht mehr als Heilsbringer, sondern sucht den Diskurs über den richtigen politischen Weg. An seiner Person entzündet sich, von ihm selbst angefacht, der Grundsatzkonflikt zwischen den beiden Hälften der Partei. Hier ist wenig zusammengewachsen, weil es eben auch nicht wirklich zusammengehört.
Durch die unbestrittenen Talente Lafontaines und Gysis sowie Wahlerfolge war die Bruchlinie verdeckt. Doch nun, da sich die Linke im Westen marginalisiert und im Osten achten muss, nicht nur Alte als Wähler zu halten, ist die Sollbruchstelle nicht mehr zu übertünchen. Von Lafontaines fundamentalistischem Oppositionskurs lernen, heißt eben nicht siegen lernen, wie sich in Nordrhein-Westfalen zeigt. Die Reformer um Dietmar Bartsch, anders sozialisiert und von anderen Erfahrungen geprägt, haben keine persönlich offene Rechnung mit der SPD und abweichende Vorstellungen - auch von innerparteilicher Diskussion.
Als Retter in der Not gerufen, wollte Lafontaine an die Spitze der Linken zurückgerufen werden und zu seinen Bedingungen sich gnädig dazu einlassen. Daraus ist nichts geworden. Egal, wie der Parteitag am 2. und 3. Juni abläuft: Der große Zampano ist entzaubert und beschädigt. Mal sehen, ob der Napoleon dann wieder zu Friedrich August III. von Sachsen mutiert und sich nach dem Motto "Macht Euern Dreck alleine" gen Saarbrücken zurückzieht.
Der Linken könnte nichts Besseres passieren. Mit Erfolgen in den ostdeutschen Stammlanden kann sie sich als Reformpartei profilieren und damit Chancen für Regeneration im Westen entwickelt - durch organisches Wachstum, nicht mit Hilfe von frustrierten Ex-Sozialdemokraten.