Es gibt genug Beispiele dafür, wie das Coronavirus die Todeszahlen unter Senioren nach oben schnellen lassen kann, sobald es sich etwa in einem Heim festgesetzt hat. Dass das in Brandenburg bislang weitgehend vermieden werden konnte, ist strengen Regeln und der hohen Einsatzbereitschaft von Pflegekräften zu verdanken, für die die vergangenen Wochen sicher eine besonders harte Zeit waren.
Trotzdem ist es richtig, zur Situation gerade der ganz schwachen Senioren in den Heimen auch andere Fragen zu stellen. Wie geht es ihnen seelisch? Wie sieht jetzt ihr Tagesablauf aus? Was macht die Kontaktsperre mit ihnen gesundheitlich? Darüber muss auch mit Blick auf die Prämissen des Grundgesetzes geredet werden. Eine in der Corona-Krise kaum erfolgte Güterabwägung könnte zu der Erkenntnis führen, dass ein Besuchsverbot nicht in Frage kommt, weil es die Menschenwürde verletzt. Dafür müsste man dann aber ein höheres Infektionsrisiko und wohl höhere Corona-Todeszahlen in Kauf nehmen. Die Gesellschaft muss sich fragen, wie hier Maß und Mitte zu finden sind.