"Aus der Seele muss man spielen, nicht wie ein abgerichteter Vogel", fordert Carl Philipp von Interpreten jedweder Couleur. Dirigent Rudolf Tiersch und seine Mitstreiter halten sich daran. In Bachs tiefgründiger musikalischer Deutung ist zu Beginn paukenumwirbeltes und trompetenglänzendes Jubilieren angesagt. In kammermusikalischer Besetzung musizierend, sorgen Mitglieder des Staatsorchesters nicht nur dabei für jenen leichten und affektreichen Ton, wie er für eine empfindsame "Gemüthsergetzung" erforderlich ist. Sehr geschmeidig und lebendig, intonationssicher und homogen bewältigt die Singakademie ihre wenigen, jedoch anspruchsvollen Aufgaben.
Die affektgespickten Arien werden von Preisträgern des Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbes Leipzig auf das Vorzüglichste vorgetragen. Zart, überaus kraftvoll, aber stets con espressione singt Marie Friederike Schöder den Sopranpart. Leicht spricht die Stimme des strahlenden Tenorlyrikers David Szigetvári, dessen Flexibilität und Glanz an die gestalterische Intensität des unvergessenen Peter Schreier erinnert. Mathias Winckler ist ein eindrücklicher, koloraturenflinker Sachwalter der bassbaritonalen Aufgaben, während Altus Benno Schachtner voller Delikatesse für den empfindungsvollen Alt-Part zuständig ist. Ihr glanzvolles Singen wird von Bläserzutaten wirkungsvoll unterstützt.
Weniger begeisternd dagegen die Bekanntschaft mit Mendelssohns "Magnificat", das sich als ein liedhaftes und schlichtes, mit kleingliedrigem Raffinement verfertigtes, reichlich verspieltes und ausdruckplakatives Opus entpuppt. Redlich mühen sich alle Beteiligten um einen leichten, weichen, sauber und straff artikulierten Tonfall. Vom Hocker reißt diese Wiedergabe leider nicht. Am Schluss des Festkonzertes brandet trotzdem Jubelbeifall.
Festliches Ambiente: In der Frankfurter Konzerthalle wurde am Sonntag aufs Schönste jubiliert.Foto: Winfried Mausolf
Festkonzert für Carl Philipp Emanuel Bach
Einstimmung auf das offizielle Bach-Jahr 2014