Sie sei auf der Suche nach ihren Freundinnen, erklärt die verwirrte Japanerin, als sie bei Frankfurt aufgegriffen wird. Die warten allerdings nicht an der Oder, sondern am Main. Mit dieser Meldung aus der "Märkischen Oderzeitung" setzt Grebes jüngstes Bühnenwerk ein, das seit November am Schauspiel Frankfurt gespielt und dort auch noch im Januar und Februar zu sehen sein wird: Unter dem schlichten Titel "Frankfurt" stellt es die beiden namensgleichen, aber sonst sehr verschiedenen deutschen Städte einander gegenüber. Ein "Ost-West-Panorama mit vielen Frankfurtern" soll es sein, das einer gemeinsamen Betrachtung unterzieht, was - zumindest dem Namen nach - zusammengehört.
Was hätte man daraus machen können? Was hätte vor allem Grebe daraus machen können. Der im Westen, in Köln, geboren wurde, um seinen künstlerischen Durchbruch am Theaterhaus Jena zu feiern, der mit fein-ironischen und klug beobachteten Liedern wie "Brandenburg" oder "Thüringen" heimliche Hymnen schrieb. Der darin auch als Zugezogener die unschönen Seiten besingen durfte, weil er es immer auch mit den Augen eines Liebenden tat.
Von dieser Feinheit ist nichts zu erkennen, wo es um Frankfurt geht. Mit größtmöglicher Brutalität holzt der Abend sich durch einen ungerechten Vergleich nach dem anderen - zwischen der satten, geldstrotzenden Finanzmetropole am Main und der schwindenden Stadt an der Oder. Keine Zote ist zu billig, keine Pointe zu lahm. Da wird die Frankfurter Skyline dem einsamen Oderturm entgegengestellt, das Finanzzentrum am Main der Sparkassenfiliale am Lennépark, der internationale Flughafen dem regionalen Sportflugplatz.
Grebe hat an der Oder das Hässliche, das Entwürdigende und das Lächerliche gesucht und daraus eine Collage gemacht, die den Eindruck vermitteln muss, Frankfurt (Oder) sei eine einzige Lächerlichkeit. "Was ist das Schönste in Frankfurt (Oder)?", wird da gefragt und auch gleich beantwortet: "Die Umgebung!". Großes Gelächter im Publikum.
Dass der Abend über die beiden Frankfurts nur am Main, nicht aber an der Oder zu sehen ist, kann man merkwürdig finden, sogar kolonial, in jedem Fall ist es eine fatale Fortsetzung der Sitte, dass der Westen über, aber nicht mit dem Osten spricht. Ausnahmsweise darf man sich darüber aber einmal freuen: Den Frankfurtern an der Oder bleibt eine Zumutung erspart.
Vorstellungen: 22., 23. und 28.1. sowie 2. und 4.2., jeweils 19.30 Uhr, Schauspiel Frankfurt (Main), Neue Mainzer Str. 17 Kartentelefon 069 21249494, www.schauspielfrankfurt.de