Akzentuierte Paukenwirbel und strahlkräftiger Trompetenglanz bestimmen die instrumentalen Einleitungstakte der ersten Kantate, deren Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" von freudiger Erwartung kündet. Tiersch meidet kompakte Klänge, setzt dagegen auf die plastische Gestaltungskraft frischstimmigen Chorgesangs. Und der basiert auf wohltönenden und homogen zusammenklingenden Stimmgruppen.
Enorm textverständlich ist die Wiedergabe sowohl der Chöre als auch der Choräle, deren erbauliche Betrachtungen sie schlicht, aber mit präziser Sinndeutung einzelner Passagen im schwingenden Ebenmaß vortragen. Da kommt nie Langeweile auf! Wozu auch die ausgewogenen, dynamisch fein differenzierten Tempi gehören, mit der sich die frohe Weihnachtsbotschaft auf sehr fröhliche Weise verbreitet.
Zu schnörkelloser und präziser Artikulation sind auch die Instrumentalisten angehalten, ebenso zu schlankem Musizieren und prägnantem Phrasieren. Gefühlsreich, aber nicht zerfließend breiten sie den wiegenden Siciliano-Rhythmus der "Hirtenmusik"-Sinfonia aus. Auch nach dem berühmten Jubel-Entree strahlen die Trompeten mit knackigen Paukenattacken um die Wette, umspielen solistisch agierende Instrumentalisten wie Oboen, Flöte und Violine die Arien auf das Angenehmste.
Differenziert begleiten Cello und Orgel als Continuo die Rezitative des Evangelisten, die Christian Zenker stimmenleicht, sehr höhensicher und tenorlyrisch, mitunter etwas zu arios vorträgt. Koloraturen-flink, ohne Hast singt er die "Frohe Hirten"-Arie. Kraftvoll und ausdrucksstark tönt Bassist Christoph Hülsmann, der die trompetenumglänzte Arie "Großer Herr, o starker König" zügig und erfreulich nüchtern anstimmt. Die drei Altarien werden vom Altus Roland Schneider vorgetragen, an dessen unausgeglichen geführter, vibratoreicher Stimme mit ihren übertriebenen Affektdeutungen nicht jedermann Gefallen findet. Zurückhaltend, mit lyrischer Innigkeit absolviert Romelia Lichtenstein den Sopranpart. Anhaltender Jubel.