Am Sonnabend tritt er schon zum dritten Mal im Gut Klostermühle auf, und wieder stellt er dort etwas Neues vor. Diesmal ist es sein Programm „Café Europa“, eine Hommage an die untergegangene Kultur der Kaffeehausmusik. Begleitet wird er von dem „Salonorchester Unter’n Linden“. Das hört sich lässig an, ist aber ein hochprofessionelles Projekt. In dem Salonorchester haben sich einige der besten Musiker Berlins zusammengefunden. Es sind Soloinstrumentalisten und Konzertmeister der Staatskapelle. In Alt Madlitz werden sie in dieser Formation das erste Mal zusammen mit Kowalski auftreten. „Sie hatten mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte“, sagt der Countertenor. „Einige von ihnen kenne ich schon seit dem Studium.“
Das Programm, das sie gemeinsam mit Uwe Hilprecht (musikalische Leitung) zusammengestellt haben, ist für Kowalski mehr als ein experimenteller Abstecher in ein anderes Metier. Etwas Neues zu wagen ohne dabei Rücksicht auf die für ihn antiquierte Bruchkante zwischen ernster und Unterhaltungsmusik zu nehmen, gehört für ihn zum Grundverständnis seines Berufes. Er ist bekannt für solche Ausflüge, und dass es diesmal zurück in die alten Kaffeehäuser geht, ist für ihn eine Lust.
Mit diesem Genre verbindet er seine ersten musikalischen Eindrücke. Noch heute schwärmt er von den Cafés, in denen er diese beinahe untergegangene Kultur einst selbst erlebte. „Das ist eine Sache, die gepflegt werden muss“, sagt er. Deshalb wird er seine Zuhörer in die Kaffeehäuser von Wien und Budapest, von St. Petersburg und Moskau, von Berlin und Paris mitnehmen. Auch über Warschau führt die Reise, wo sich diese Kultur einst prachtvoll entfaltete – vor allem wegen des dort mit ehrfürchtiger Leidenschaft gespielten Chopin. Kowalski wird hier und da ein paar kurze Kommentare einstreuen. „Nur wenige Worte“, meint er. „Im Grunde sagt diese Musik alles.“ Und die stammt von den ganz Großen ihres Fachs, von Brahms, Strauß, Tschaikowski, Offenbach und Lincke zum Beispiel.
Bei aller Sympathie, die Jochen Kowalski für jene Musik empfindet, das Opern- und Operettenfach wird der für seine Händel-Interpretationen viel gerühmte Sänger deshalb nicht aufgeben. Obgleich er allerdings an einen Rückzug auf Raten denkt. Seine Paraderolle des Prinzen Orlofsky wird er in wenigen Monaten ein letztes Mal singen – und dann auf Japanisch. Kowalski: „Ich liebe den Orlowsky, trotzdem wird es da langsam Zeit für Jüngere.“
„Café Europa“, Sonnabend, 19.30 Uhr, Theaterforum Gut Klostermühle, Alt Madlitz, 
Kartentelefon: 033607 59290