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Draghis Verdienst

Guido Bohsem
Guido Bohsem © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Guido Bohsem / 14.11.2017, 19:04 Uhr
Brüssel (MOZ) Die Deutschen müssten Mario Draghi ein Denkmal setzen. Nein, der längste Wirtschaftsaufschwung seit Jahrzehnten ist nicht alleine Verdienst des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB). Andere Dinge haben auch ihren Anteil am inzwischen achtjährigen Boom, die hohe Ingenieurskunst der Industrie, das weltweit einzigartige Zusammenspiel von Gewerkschaften und Arbeit und, ja, auch die kluge Wirtschaftspolitik.

Die rot-grüne Bundesregierung hat mit der Agenda 2010 die Weichen gestellt, und die erste große Koalition unter Angela Merkel reagierte in der großen Bankenkrise mit einem klugen Konjunkturprogramm. Doch dass es hierzulande derart gut läuft wie derzeit, daran hat Draghis Politik den Löwenanteil. Seit Jahren überschüttet die EZB die Eurozone mit Geld. Als Rettung für die Südstaaten. Doch weil die Programme nicht gezielt auf ein oder mehrere Länder ausgerichtet werden können, profitiert auch Deutschland.

Der zum Start der Niedrigzins-Politik immer wieder beunkte Anstieg der Inflation ist bislang ausgeblieben, in ganz Europa, aber auch hierzulande. Draghi hat auch hier Recht behalten. Jedenfalls noch. Denn angesichts der auf Hochtouren laufenden deutschen Wirtschaft besteht die Gefahr steigender Preise nach wie vor. Guido Bohsem

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Horst Hahnemann 17.11.2017 - 07:52:17

Ein Denkmal für Super-Mario

„Die Deutschen müssten Mario Draghi ein Denkmal setzen“. Der Kommentator, der seinen Beitrag mit diesem Satz beginnt, ist bisher noch nicht durch satirisches Talent aufgefallen. Er meint es tatsächlich ernst. Allerdings ist ihm das mit dem Denkmal wohl doch nicht ganz geheuer, denn schon im zweiten Satz macht er eine Einschränkung. Aber nicht etwa weil ihm einfällt, dass diese Zentralbankpolitik die deutschen Sparer und das System der privaten Altersversorgung ruiniert. Er will lediglich daran erinnern, dass der Zentralbankchef das Verdienst an dem andauernden Wirtschaftsaufschwung mit „anderen Dingen“ teilen muss. Zu diesen „anderen Dingen“ gehört so ziemlich alles, was ökonomisch relevant sein kann: die deutsche Industrie, die Gewerkschaften, die Agenda 2010, die Merkel-Regierung. Der Kommentator meint, dass alle alles richtig gemacht haben. Die Behauptung, dass jedoch Draghis Notenbank-Politik den „Löwenanteil“ daran hat, dass es derzeit so gut läuft, muss seiner Ansicht nach nicht weiter begründet werden. Aber auch hier lässt er sich ein Hintertürchen offen und will die Gefahr steigender Preise nicht von der Hand weisen. Vielleicht ist es doch ratsam, die Errichtung von Denkmälern der Nachwelt zu überlassen.

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