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25.01.2013 19:51 Uhr

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Lange Haftstrafen für Gewalt gegen Obdachlosen

Leipzig (dapd) Im Prozess um den Tod eines Obdachlosen in Oschatz (Landkreis Nordsachsen) hat das Landgericht Leipzig gegen sechs Angeklagte zum Teil langjährige Haftstrafen ausgesprochen. Die dritte Strafkammer verurteilte am Freitag nach 14 Monaten Verhandlungsdauer und 28 Prozesstagen jeweils wegen Totschlags einen 28-Jährigen zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und einen 27-Jährigen zu einer Haftstrafe von 10 Jahren. "Man ist angewidert und fassungslos darüber, was hier passiert ist", sagte der Vorsitzende Richter der Kammer, Norbert Göbel, in seiner Urteilsbegründung. "Es ist regelrecht ekelhaft, was passiert ist, und wie sich manche Angeklagte hier verteidigt haben."

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Redaktionshinweis: Achtung, Bild gepixelt! Die Angeklagten dürfen aufgrund einer richterlichen Anordnung nur unkenntlich gemacht weitergegeben werden +++ Die wegen Totschlags eines Obdachlosen Angeklagten warten am Freitag  am Landgericht in Leipzig neben  

Redaktionshinweis: Achtung, Bild gepixelt! Die Angeklagten dürfen aufgrund einer richterlichen Anordnung nur unkenntlich gemacht weitergegeben werden +++ Die wegen Totschlags eines Obdachlosen Angeklagten warten am Freitag am Landgericht in Leipzig neben

© dapd

Die beiden Männer hatten am 26. Mai 2011 in Oschatz zusammen mit drei weiteren Angeklagten, die inzwischen 17 und 19 Jahre alt sind, den Obdachlosen André K. überfallen und massiv getreten, als er auf einer Bank eines ehemaligen Bahnhofs geschlafen hatte. Nach Einschätzung des Rechtsmediziners Carsten Hädrich von der Universität Leipzig erlitt der 50-Jährige "eine höhere Anzahl im zweistelligen Bereich" an Tritten. Durch den gebrochenen Schädel hätten sich Keime ungehindert ausbreiten können, sodass er an einer Lungen- und Hirnhautentzündung erkrankte, woran er später am 1. Juni 2011 im Krankenhaus starb.

"Wir haben es hier nicht mit einem Eierdiebstahl zu tun"

"Dafür hängen sie alle wegen Totschlags", führte der Vorsitzende Richter weiter aus. "Sie haben alle mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt." Bei der Verurteilung des 27-Jährigen und 28-Jährigen entsprach die Kammer im Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des 28-Jährigen hatte für Freispruch und nur für eine Verurteilung wegen unterlassener Hilfeleistung plädiert, der Anwalt des 27-Jährigen hatte sich der Forderung der Staatsanwaltschaft angeschlossen und sich außerdem dafür ausgesprochen, seinen Mandanten wegen seiner Alkoholsucht in den Maßregelvollzug einzuweisen.

Der Vorsitzende Richter schätzte jedoch eine Sozialtherapie im Gefängnis als erfolgreicher ein. Er bewertete dessen "vollumfängliches Geständnis" als strafmildernd. Dem anderen Täter hielt er vor, "uns hier eine Reihe dubioser Zeugen präsentiert zu haben, die uns hier Müll erzählt haben".

Zwei Jugendliche im Alter von 17 und 19 Jahren müssen ebenfalls wegen Totschlags für drei Jahre ins Gefängnis, ein weiterer 17-Jähriger für zwei Jahre und neun Monate. Für diese Männer hatte die Staatsanwaltschaft jeweils drei Jahre Haft verlangt. Ihre Verteidiger hatten jeweils nur eine gefährliche Körperverletzung als erwiesen angesehen und Jugendstrafen von jeweils zwei Jahren Haft auf Bewährung für ausreichend gehalten. "Es kam hier auch nicht nur annähernd eine Strafe in Betracht, die in die Nähe einer Bewährungsstrafe kam", ergänzte Göbel. "Wir haben es hier nicht mit einem Eierdiebstahl zu tun. Was soll denn noch Schlimmeres passieren als einen Menschen umzubringen?"

Rechtsextremes Motiv nicht nachweisbar

Ein rechtsextremes Motiv der Tat, was die Rechtsanwältin der Tochter des Toten den beiden mutmaßlichen Haupttätern versucht hatte nachzuweisen, sah die Kammer wie auch Staatsanwaltschaft nicht als erwiesen an. "Einstellungen, die sich nicht in der Straftat ausdrücken, haben wir nicht zu bestrafen", fügte Göbel an. Oberstaatsanwältin Claudia Laube hatte davon berichtet, bei Wohnungsdurchsuchungen bei den beiden Männern seien keine Dinge gefunden worden, die sonst bei Rechtsextremen anzutreffen seien. "Es ist ein Fall, bei dem betrunkene Leute losziehen und sie sich hinterher fragen, was soll das", ergänzte die Oberstaatsanwältin.

Der sechste Angeklagte, ein 38-Jähriger, der sich nicht an den Tritten beteiligt, aber auch keine Hilfe gerufen hatte, wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf ein Jahr Haft auf Bewährung plädiert, sein Anwalt nur sechs Monate Haft für nötig befunden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche ist die Revision zum Bundesgerichtshof möglich. Die Rechtsanwältin der Tochter des Opfers behielt sich eine Revision vor, weil sie eine Verurteilung der 27 und 28 Jahre alten Männer wegen Mordes und damit eine lebenslange Freiheitsstrafe hatte erreichen wollen.

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