Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Prozess nach tödlichem Ruderunfall: Clubchef will Freispruch

Der anklagte Jens G. (r) sitzt mit seinem Anwalt Peter Manthey am Dienstag auf der Anklagebank im Sitzungsaal des Leipziger Landgerichts. Der tödliche Ruderunfall 2008 in Leipzig beschäftigt erneut die Justiz.
Der anklagte Jens G. (r) sitzt mit seinem Anwalt Peter Manthey am Dienstag auf der Anklagebank im Sitzungsaal des Leipziger Landgerichts. Der tödliche Ruderunfall 2008 in Leipzig beschäftigt erneut die Justiz. © Foto: dpa
23.11.2010, 16:08 Uhr
Leipzig (DPA) Der tödliche Ruderunfall 2008 in Leipzig beschäftigt seit Dienstag erneut die Justiz. Der Präsident eines Ruderclubs will vor dem Landgericht Leipzig einen Freispruch erreichen. Das Amtsgericht hatte ihn in der Vorinstanz wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und eine Verwarnung verhängt. Dagegen legte der 42-Jährige Berufung ein.

Bei einer Regatta, die der Leipziger Ruderclub veranstaltet hatte, war ein mit fünf Nachwuchsruderern besetztes Boot aus Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) ein tosendes Wehr hinabgestürzt. Ein Zwölfjähriger ertrank, seine Sportkameraden, zwei Jungen und zwei Mädchen, wurden verletzt gerettet. Einer von ihnen, ein heute 14-Jähriger, sei zu 80 Prozent behindert, berichtete sein Vater.

Es sei ihm noch immer „einfach unerklärlich“, wie das Unglück im April 2008 geschehen konnte, sagte der Clubchef. Das Boot - ein Doppelvierer mit Steuermann - hätte vor dem Start eine Linkskurve flussaufwärts fahren müssen. „Das ist ein einfaches Manöver, das man können muss.“ Stattdessen fuhren die Kinder nach rechts und wurden schließlich von den Fluten mitgerissen. Der Fluss führte Hochwasser. Das Rennen war für Anfänger ausgeschrieben.

Der Anwalt des 42-Jährigen, Peter Manthey, sagte, der Ruderclub- Präsident trage persönlich keine Verantwortung für den Unfall. Die zentrale Frage des Berufungsprozesses sei: Was muss ein Veranstalter bei der Planung eines Sportwettbewerbs berücksichtigen? Müsse er jeden noch so katastrophalen Fahrfehler vorhersehen? „Es war wohl so, dass die Kinder noch nicht reif waren für das Rennen, dass sie einfach noch nicht rudern konnten“, sagte Manthey.

Zwei Übungsleiterinnen des Dessauer Ruderclubs waren vom Amtsgericht ebenfalls schuldig gesprochen worden. Sie akzeptierten die Verwarnungen. Als Zeuginnen bestätigten sie am Dienstag, dass die Bootsbesatzung Sekunden vor der Tragödie Fehler gemacht hat. Die Kinder seien sich uneinig gewesen und wussten wohl nicht, was sie tun sollten. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG