Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wie Elektroautos künftig Strom tanken sollen

Laden durch die Luft

Lästige Leitung: E-Autos müssen irgendwann an die Steckdose. Künftig sollen sie ihre Akkus unterwegs aufladen.
Lästige Leitung: E-Autos müssen irgendwann an die Steckdose. Künftig sollen sie ihre Akkus unterwegs aufladen. © Foto: picture alliance / dpa
Ina Matthes / 05.07.2017, 12:41 Uhr
(MOZ) Er ließ Strom-Blitze 50 Meter in den Himmel schießen und legte damit ein Elektrizitätswerk lahm: Nikola Tesla, Elektro-Pionier, Erfinder, Exzentriker. Er hatte eine Vision. Der Sohn eines serbischen Geistlichen wollte die Welt mit Strom versorgen - leitungslos, durch die Luft. In den USA ließ er einen Strom-Sende-Turm bauen. Und ging darüber pleite.

Teslas Turm steht nicht mehr, seine alte Idee lebt: Strom ohne Strippe und Stecker. Ladeschalen für manche Handys funktionieren so oder elektrische Zahnbürsten. Das Prinzip des kontaktlosen Stromtransfers ist im Grunde stets gleich: Ein Sender, meist eine Spule, wird von Strom durchflossen und erzeugt dabei ein Magnetfeld. Dieses Magnetfeld wiederum überträgt Energie an einen Empfänger. Allerdings funktioniert das nur effizient, wenn sich Sender und Empfänger nahe stehen. In Laborexperimenten waren wenige Meter die Grenze. Der Elektrotechnik- Professor Shanhui Fan und seine Kollegen von der Uni Stanford wollen diese Grenze weiter stecken. Sie haben eine Idee, die klingt, als wäre sie von Tesla: Sie wollen Elektroautos während der Fahrt aufladen.

Dazu werden Sende-Spulen in die Autobahn eingebaut und Empfängerspulen am Boden der Autos angebracht. Fährt ein Auto über die Straße bekommt es von den Sendern im Untergrund einen Energieschub. Die Sache hat nur einen Haken: Kontaktlos Strom übertragen funktioniert nur im sprichwörtlichen Beamtenmodus gut: Bewegen verboten. Bei dem Energietransfer müssen die Frequenzen der Sender- und Empfängerspule aufeinander abgestimmt sein. Bewegt sich eine der beiden, wird ihr Verhältnis gestört. Es kommt weniger Strom an oder die Übertragung bricht ab. Für dieses Ärgernis haben die Stanford-Forscher eine Lösung gefunden. Mit einer ausgeklügelten Konstruktion haben sie es geschafft, dass sich die Frequenzen automatisch anpassen, wenn sich die Entfernung ändert. Sie sind die ersten, die das hinbekommen haben - im Labor. Aber nicht mit Autos. Sondern mit einer LED-Leuchte, die an einer Spule vorbeibewegt wird - und dann erstrahlt. Die braucht aber nur wenig Energie. Für die Straße muss alles noch etliche Nummern größer werden.

Wenn es funktioniert, schlägt Shanhui Fans Team zwei Fliegen mit einer Klappe. Die zu geringe Reichweite der E-Autos ist dann kein Thema - weil sie unterwegs ständig geladen werden. Und die langen Ladezeiten sind auch keins mehr. Bislang ist nur bei Elon Musks Luxuskarosse "Tesla", benannt nach Nikola, der Akku nach etwa 20 Minuten voll. Beim Durchschnitts-Stecker-Auto kann der Besitzer darüber schlafen.

Fragt man den Stanford-Professor, wann das Laden im rollenden Verkehr Alltag sein wird, schweigt er. Na gut, es ist alles noch im Versuchsstadium. Will einer aber wissen, wie gesund das Ganze ist, beruhigt der Elektrotechnik-Experte: "Wir nutzen magnetische Felder, die viel geringer auf den Körper einwirken als Radiowellen."Allerdings: Der Elektrosmog in der Umwelt, der wird zunehmen.

Damit die Sache richtig rund läuft, will Shanhui Fan neben den Straßen Solarfelder bauen. Sie sollen den Strom für die Senderspule liefern. Straßen mit Spulen und Sonnen-Alleen. Hätte Tesla vermutlich gefallen. Der wollte mit seinem Strom-Versenden auf dem Luftwege und an alle Menschen den Weltfrieden retten. Für den Anfang reicht es, wenn die Luft sauberer wird.

Fragen und Meinungen zu Nachgeforscht an: cvd@moz.de

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG